Montag, 01.09.2008
Mittendrin statt „nur“ dabei
Mittendrin statt „nur“ dabei
Der Urlaub ist seit zwei Wochen vorbei, das Rennrad und ich hatten in den Lienzer Dolomiten und am Caldonazzo-See nochmal ein paar schöne Höhenmeter gesammelt und eigentlich wollte ich im September noch eine gröbere Aktion machen – so schön vorbereitet wie ich war.
Nach den ersten Arbeitstagen dann die große Unlust, ich ging lieber laufen als radfahren, die Formkurve war ja schon vor dem Urlaub im freien Fall nach unten, da nützte dann das schöne Naturerlebnis der Urlaubsausfahrten dummerweise auch nichts, mich da wieder richtig rauszuholen.
Also Aktion abblasen.
Den Ötzifred im Forum mitzuverfolgen, das gehört irgendwie dazu, also fleissig mitgelesen und die Wetterberichte verfolgt, aber nichts weiter dabei gedacht bzw. gedacht, OK, wird dann am 31. August vermutlich eh wieder naß werden, was solls, Saison ist vorbei. Die Konzentration auf andere Sportarten kann stattfinden.
Blöd nur, dieser Wetterbericht. Und parallel dazu, am Samstag Mittag tut sich recht spontan ein gut 30-stündiges Zeitfenster auf, wenn man die Nacht dazu nimmt. Doch noch in die Berge? Au ja! Wohin? Keine Ahnung. Hmmmmmmmmmmmm... Letztes Jahr kam bei der F-Ötzi-Runde vom Rosti so ne kleine Anregung, das Ötzi-Geschwür doch mal ganz locker zu fahren und einfach mal den anderen beim Arbeiten zuzuschauen. Zudem im Forum noch diese Ansage, die Runde mit ordentlicher Einkehr zu verbinden und einen auf Genuss zu machen.
Komplettiert wurde das dann von mir, indem ich mindestens eine Stunde vorher starten wollte. Was mir wunderbare Einblicke in die Abläufe der ersten 3 Stunden des offiziellen Events, die ich normalerweise dank meiner mäßigen Leistung nie miterleben dürfte, geben sollte.
Alles klar, Ötzi als Tourist oder eben mittendrin als Zuschauer, der permanent seinen Standplatz wechselt.
Schnell noch ein paar Gels gekauft, der Rest war komplett, Material ins Auto und nach einem leckeren Abendessen um 20 Uhr ab auf die Piste. Dank völlig reibungslosem Strassenverkehr war ich um kurz nach Eins am Sonntag Morgen in Längenfeld. Auto direkt an der Therme abzustellen ging nicht, also heimlich hinter einer Scheune versteckt und nach ca. 3 h Schlaf das Fahrzeug anderweitig in Längenfeld geparkt. Die Nacht war im übrigen sternenklar, die Sterne schienen zum Greifen nahe, meine Laune war saugut.
Frühstück: Kekse, Apfelschorle. Nicht weiter schlimm, ich wusste ja, das ich an geeigneter Stelle ordentlich was verputzen würde.
Während ich so mein Zeug in den Rucksack packte nahm der Verkehr Richtung Sölden sehr deutlich zu, speziell die Motos fuhren, als gäbe es kein Morgen. Klar, dass einer schon gleich mal die Verkehrsinsel mitnehmen wollte. Irgendwie hat er es hingekriegt, mit seiner Enduro da drüber zu kommen. Na sauber, geht ja gut los.
Schlag 5:45 Uhr hatte ich das/den/die Ergomo-Zicke aufgeweckt und bin gemütlich bis nach Ötz gerollt. Rennradler ohne Licht kamen entgegen, ganz witzig bei dem nicht enden wollenden Verkehrsstrom.
In Ötz stand der Kreisverkehr schon voller Polizisten, Motos standen bereit, jeder hatte gute Laune und wir wünschten und einen schönen Tag. Vor mir gleich eine junge Dame auf'm Renner mit dickem Rucksack, vermutlich ein pedalgetriebenes Verpflegungsfahrzeug für jemanden in der Kühtaiauffahrt. Leider blieb sie stehen, so war halt kein Schwatz berghoch möglich. Auf Höhe Ötzerau kam dann der Hubschrauber ins Tal eingeschwebt, talauswärz begann die Sonne die weit entfernten schroffen Felswände dezent auszuleuchten – fantastisch, dies sehen zu können.
Ortsende, bevor der Weiderost kommt. Ich halte mal an wg. Jacke wegpacken und werde von einem Radler überholt. Zwei Trinkflaschen am Rahmen, eine weitere unterm Sattel, das Oberrohr voller Riegel geklebt. Auch so'n Materialtransporter für jemand anderen. Ich hole ihn wieder ein und zufällig irgendwo im TJ sehen wir uns wieder. Ist er also trotz Helferdienst die Runde auch fertig gefahren – super.
Ich bin eine Weile alleine für mich, höre nur den Bach. Dann kommen die ersten Motos hochgeschossen. Unglaublich. Mich geht’s ja nix an, aber die nehmen sinnlos volles Risiko – es stehen ja genug Kühe rum, die mal zum unausweichlichen Hindernis werden könnten. Die Kühe, also, das war ein besonderer Spaß. Langsam dran vorbei, ein freundlicher Klaps von mir, ein Streichler auf der Nase, dafür dann ein freundliches Muuuuuhhhhhh. Was hatte ich gute Laune.
Bis zu dem Moment, wo der Ötzi-Ballon-Anhänger-Fahrer versuchte, einen belgischen Begleitwagen (Das es sowas gibt, ich dachte, das ist unerwünscht?), der sich knapp hinter mir befand, zu überholen. Also Ballon, Belgier und Pinguin parallel. Belgien streift Pinguin fast am Ellenbogen. Ich war leicht angepisst.
In der nächsten Ortschaft (Haimig oder so) dann schon mehr Leute, die als Supporter da standen. Freundliches Hallo und überall entspannte Gesichter. Plötzlich seh ich den Belgier parken, hin und dem Typen ein paar deutliche Worte ins Gebälk geschraubt. Er: Ich habe keinen Radfahrer gesehen. Häää? Klar, er hatte nämlich während der Fahrt in eine Karte geglotzt.
Die netten Rindviecher waren ja auch noch da, ich habe noch ein paar Streicheleinheiten verteilt und eine Kuh wollte sogar Banane probieren. Ich habe mich aber nicht getraut, ihr was hinzuschmeissen – keine Ahnung, was so ein Kuhmagen dazu sagt.
Oben auf'm Kühtaisattel Menschenmassen, es war schon echt viel los, ich bin in dezenten Schlangenlinien und pfeiffend die letzte Rampe hoch – net, dass noch einer meint, er muss mich anfeuern oder interviewen.
Brunnenwasser tanken, Banane verputzen und Kleidung anziehen war gleich erledigt. Ein paar Augenblicke Atmosphäre tanken und runter gings. Schön auf der korrekten Strassenseite, schön vorsichtig und entspannt. Die Highspeedstelle nahm ich mit dezenten 88 km/h, mehr als genug, ich wollte doch nicht so rasen, aber es war halt so schön.
In Kematen bin ich dann Richtung Axams, um von dort aus auf die Brennerstrasse aufzufahren. Es hätte in Mutters ein nettes Cafe gegeben, aber ich hatte zunächst noch keinen wirklichen Hunger. Erstmal sehen, wie die Spitzengruppe so agiert.
Vorneraus die Polizeimotos und auch diverse Helfer, wieder diese lustigen Begleitfahrzeuge, die es eigentlich gar nicht gibt, dann mal das Führungsfahrzeug mit der Uhr drauf, es waren 2:31 h vergangen laut dieser Uhr, für die offiziellen Teilnehmer. Ich war also auch schon fast 4 h unterwegs und fühlte mich einfach prächtig. Dieses unglaubliche Wetter!
Dann wurde es hektischer, der entgegenkommende Verkehr wurde von Polizeimotos eingebremst, ein tschechischer Begleitwagen schoss an mir vorbei und hätte kurz darauf ein entgegenkommendes Urlaubermotorrad beinahe frontal abgeräumt – ganz großes Kino.
Ein Rückblick von mir in die eben gefahrene Kurve, wenige hundert Meter zurück kommt die Führungsgruppe. Ich bin dann links raus auf eine Parkplatzfläche und habe zugeguckt, wie die erste Reihe breit aufgefächert locker plaudernd da „hochgeeiert“ ist. So gegen 9:40 Uhr war das.
Weiter im eigenen Trott und es dauerte bis etwa zum Kreisverkehr mit Tankstelle und Autobahnauffahrt, bis ich von der nächsten Gruppe überholt wurde. Das waren dann schon etwa 20 Minuten Abstand. Einige weitere Touristikfahrer waren in der Gruppe, so bin ich an letzter Position ein Stückchen mitgerollt. Das Tempo war moderat, da hat noch keiner überdreht.
Kurz vor Wolf bin ich runter von der Strasse um Kleidung abzulegen, netter Plausch mit einem Helfer und dann kam die dritte Gruppe, das waren dann gleich mal 150 oder mehr Fahrer, würde ich schätzen. Der Helfer nannte dafür auch etwa 25 Minuten Abstand bis zur Führung.
Danach kam wieder lange nichts mehr, erst im Steilstück wurde ich von diversen Fahreren überholt, hier war dann Timberwolf mit drin. Schön anzusehen: Das teilweise profimäßig anmutende Bereitstellen von Verpflegung, die kreativen Ideen zum Anfeuern der eigenen Leute und auch der anderen.
Am Brenner dann gleich nach dem neuen Kreisverkehr war dann für mich gegen 11 Uhr Frühstücksboxenstop. Kaffee, Apfelschorle, Apfelstrudel. Sicherlich 30 Minuten bin ich dort gesessen und habe mir die lange, nicht abreissende Kette der Radler angeschaut.
Na ja, irgendwann muss ich auch mal weiter und so ging es sehr kontrolliert den Brenner runter, kurz vor Sterzing dann Pinkelpause und Klamotten wegpacken, die Karavane ist schier endlos an mir vorbeigezogen.
Die Trinkflasche ist voll, der Jaufen kann kommen. Ich habe keine Ahnung, in welchem Leistungssegment des Pulks ich mich befand, schön war halt, dass sehr viel los war, aber die Strasse war nicht überfüllt. Die langsam bergabrollenden Radfahrer hatten wohl keinen Spaß – die hatten sich ihre Passabfahrt wohl auch dynamischer vorgestellt. Pech gehabt.
Irgendwann habe ich mal gefragt, was der Kollege neben mir für eine Zeit im Visier hat. 9-9,5 h. Aha, dann bin ich also noch recht weit vorne unterwegs und muss meinen nächsten Boxenstop etwas ausdehnen, damit ich auch mal andere Leistungen begleiten darf. Meine eigene Leistung kontrollierte ich via Wattmesser, immer schön GA2, damit die Sache auch später nicht anfängt weh zu tun.
Da ich ein Paniksäufer bin, was Wasser angeht und ich wusste, dass am Jaufen keine Brunnen rumstehen (zumindest habe ich noch keinen entdecken dürfen) da habe ich mich ein wenig nach herrenlosen, achtlos weggeworfenen Trinkflaschen umgeguckt. Und siehe da, da liegt ne Wasserflasche unterm Piaggio-Dreirad, verbeult und mitgenommen, aber egal. Glugg-Glugg-Glugg, schon war aufgetankt.
Toll fand ich die letzten Kilometer ab Waldgrenze, bislang hatte ich das so noch nicht gesehen, wie sich die Perlenkette der Radler komplett sichtbar bis zur Labe zieht. Leider war auch sichtbar, dass sich ein Wetter zusammenbraut.
Oben dann das Rad abgestellt und in der Wirtschaft Brotzeit gemacht. Dazu lief Moto GP 250 ccm und der Wirt und ich haben baff gestaunt, wie die Jungs sich trotz Kollision noch auf den Rädern halten. Ich dachte mir, gut, dass das sonst keiner sieht von wegen der Übermotivation für die Jaufenabfahrt. Für mich war klar, schön piano.
Zurück beim Rad, ich schiebe und denke mir, huch, das geht aber schwer. Blick ans Hinterrad – ne dicke Acht! Ach verdammt, Speiche links gerissen. Bin ein Stück abgefahren und in einer Kehre stand ein schöner Tisch am Rand, da habe ich nachzentriert. Klar, danach äusserst vorsichtig weiter, mehr im Stehen als im Sitzen, jeden Schlag vermeidend. Ging gut – für mich. Aber wohl nicht für den Einen oder Anderen sonst. Drei Räder standen herrenlos. Platter Hinterreifen, Schlauch rausgezogen, Mantel irgendwie dazwischengewurschtelt – nur als Beispiel. Kann man sich ja leicht ausmalen, was da so alles passieren kann. Ansonsten doch auch einige Leute mit Platten, die geflickt haben.
In St. Leonhard an der üblichen Stelle dann die Klamotten weg, das HR geprüft, OK, geht gut, der Seitenschlag hat sich nicht verändert. Ein Schwätzchen mit einer Frau, die angefeuert hat. Der Blick auf die Besenwageneinsteiger. Vllt. Magenverstimmung, die Wärme, keine Kraft mehr? Schon schade, wenn das dann so ausgehen muss.
An der Stelle wurde mir der bekannte Spruch wieder gegenwärtig, dass jeder, der die Runde bewältigt, ein Sieger ist.
Wasser hatte ich noch genug, die nächste Gelegenheit zum nachfassen hatte ich schon geplant. Also auf geht’s, letzter Anstieg. Es war heftig warm, es lag unglaublich viel Dreck rum. Es hätte ab hier, wenn der Rucksack noch Platz geboten hätte, eine wahre Kleidersammlung stattfinden können. Da ein Armling, dort eine Weste, hier ein Handschuh.
Spaßig auch all die Tablettenpackungen, die Glasröhrchen, die Fläschchen...
Es lief ab da recht leger für mich, ich fühlte mich richtig wohl und ich war zufrieden. Bei Moos sitzt ein Bekannter im Schatten und wir plaudern ein wenig, gleich darauf kommt meine Begleitung für den Timmelsjochanstieg ums Eck und wir fahren gemeinsam weiter. Leider hat Frau E. nach der Kehrengruppe einen Platten, die Seitenwand des hinteren Ultremo hat einfach aufgegeben. Pffffffffffffffff...
Die Reparatur zog sich in die Länge, aber irgendwie war die Angelegenheit auch lustig. Wasser gabs vom Kleingartenbesitzer direkt in der Kurve, schattig war es und ein Motorradfahrer ohne Sprit, der dann aber gemerkt hat, dass er eigentlich doch noch Benzin hat, war auch da. Wir frotzelten über so manches und fluchten aber auch über den Reifen, den blöden.
Neben uns im Schatten ein Krampfopfer. Der schrie vor Schmerz und war ein echtes Elend. Ich würde sagen, ab da hatte ich meinen Eindruck zu den Leuten, denen es halt am TJ wirklich weh tut. Geschoben hatten eh schon manche – aber die Verkrampften, uiuiuiuiui...
Für uns gings weiter, plaudernd über alles Mögliche ging es in gutem Rhythmus vorwärts, es war ein echtes Vergnügen mit charmanter Begleitung den Hupsel niederzuringen!
Auch ein Vergnügen ist irgendwann mal zu Ende. Durch den Tunnel durch und was ist? Mistwetter deutet sich an. Frau E. wollte direkt schnellstmöglich in die Gegensteigung knallen, ich musste mein waidwundes Geröhr vorsichtig bergab tragen – also trennten sich hier unsere Wege. Im noch trockenen Teil in einer der ersten Kehren lag wieder ein Kollege, Finger gscheid blutig, aber ein bergauffahrender MTB'ler half schon. Paar Meter weiter der erste Tropfen. Na klasse. Im Beginn der Gegensteigung war ich tropfnass, ich bin aber in kurz/kurz+Knielinge (den ganzen Tag am Knie gelassen, störte nicht) bis unters schützende Dach der Mautstation. Davor wäre ich allerdings noch fast über einen Kollegen gefallen, der just vor mir einfach umgekippt ist. Krampf und bautz!
Unterm regen- und windgeschützten Gebäude dann Klamotten drauf – alles, was ich dabei hatte. Was war ich froh um das Material.
Die Abfahrt war kein Spaß. Nur mit einer Bremse die Fuhre vernünftig bei den Wassermassen zu verzögern war knifflig. Ablegen auf den letzten Kilometern, das wollte ich mich nun wirklich nicht. Es ging alles glatt (bzw. eben nicht glatt) und so zitterte ich mich der ersten Ministeigung entgegen, damit der Körper wieder Wärme produziert. Es war richtig mistig kalt. Ähnlich wie beim F-Ötzi vom Juni. Eigentlich austauschbar mit damals.
Sölden kam dann in Sicht, ich bin durch den Bogen geeiert, das Spektakel dort interessierte mich nicht mehr, mir war einfach zu kalt. Und dann waren es nur mehr 10 km bis zum Auto.
Ein netter älterer Herr hat mich dann, während ich planlos mein Zeug zammpackte (frieren ist schlecht fürs Denken, glaube ich) ein wenig unterhalten und nachdem die Katzenwäsche erledigt war gings ab nach Ötz, Salat, Suppe und Pizza bunkern.
Gegen 20 Uhr auf die Piste, bis 21:30 Uhr war ich in Garmisch, dort bis 0:30 Uhr gepennt und drei Stunden später war ich daheim. Duschen, Bett.
Aus die Maus, schön war's.
Montag, 12.03.2007
Umbaubericht ALAN Telaio SL
[geschrieben im Mai 2006, Ergänzungen chronologisch nachfolgend]
Vorgeschichte
Grundgedanke für das neue Radprojekt war im Sommer 2005 der Leichtbau eines alltagstauglichen 1x1-Rades, welches weniger als vier oder fünf Kilo wiegen sollte. Damals war ich unterwegs, mich nach geeigneten Rahmen zu erkundigen und bin mit einem Radhändler so verblieben, dass er mir einen passenden Titanrahmen recherchiert und sich meldet. Weiterhin sollte das Rad 'unbedingt' mit Laufrädern in der Gewichtsklasse 1.000 bis 1.100 Gramm ausgestattet werden. Titanrahmen custommade plus dieser Laufradsatz wäre eine finanzielle Größenordnung gewesen, die mir vorschweben ließ, dieses Projekt passend zum irgendwann mal kommenden nächsten runden Geburtstag starten zu lassen.
Doch schon 2006?
Im Frühjahr 2006 hat mich der Hafer gestochen und ich war der Meinung, schon eher mit dem Leichtbauprojekt zu beginnen. Nur, der Titanrahmenrechercheguru hatte sich nie mehr bei mir gemeldet. Was machen? Halt selber was suchen. Ich hatte mich zunächst mal hingesetzt und ein längeres Lastenheft für einen Alu- oder Stahlrahmen erstellt.
Die lange Phase des Grübelns hatte sein Gutes. Zum Einen bin ich selbst leichter geworden und ausserdem ist mir Titan doch zu teuer. Es wollten ja die netten Laufräder auch noch finanziert werden. Es fiel der Beschluss, dass meine persönliche Gewichtseinsparung auf das ehemalige Zielgewicht des Rades draufgesattelt und somit eine Obergrenze von sechs bis 6,5 Kilo definiert ist. Punktum...
Dadurch hatte ich Spielraum im Rahmenbereich. Wichtigster Aspekt des Rahmens war ein Ausstattungsmerkmal: Ausfallenden, die das Verschieben der Hinterachse zulassen. Und damit verbunden leider eine Einschränkung bei der Auswahl fertig kaufbarer Rahmen (in Verbindung mit zwei weiteren Parametern). Bahnrahmen wollte ich nicht. Zu schwer und 120 mm Hinterbau. Ist mir zu schmal für den eher universellen Ansatz, mit den teuren Laufrädern umzugehen. Dann gibt es von Gios das New A90 Gestell, hier wäre die Hinterachse verschiebbar und das Gewicht von etwa 1,4 Kilo nicht schlecht. Leider hat der Rahmen einen integrierten Steuersatz. Der Gios Compact Pro wäre auch mit verschiebbaren Ausfallern versehen, ist aus Stahl, hat klassischen Steuersatz und wiegt leider 1,85 Kilo.
Damit bin ich nicht so arg weit weg von den Stahlrahmen, die ich aktuell fahre und das Preis/Leistungsverhältnis stimmt nicht. Wenn ich 2 Kilo Alteisen für lau im Keller stehen habe, warum soll ich dann 700 Euro für 200 Gramm ausgeben? Unsinn im Quadrat.
Also etwas individuell fertigen lassen? Das Lastenheft wurde ausdetailliert und auf schlussendlich fünf Seiten stand, was ich haben wollte. Wen nun damit ansprechen?
Durch Zufall bekam ich eine Tipp ? in einem Nachbarort gibt es einen Rahmenbauer, ähnliche Projekte hatte er schon gefertigt, ein paar Bilder gibt es im Web dazu. Ist doch schön.
Direkt in der nahen Umgebung jemand der sowas bauen kann. Zu schön, um wahr zu sein. Voller Optimismus habe ich mein Anliegen persönlich vorgebracht und alles mit dem Chef durchgesprochen. Ich bekam einen Rückruf innerhalb weniger Tage versprochen. Nachdem fast vier Wochen ohne Anruf vergangen waren und ich mittlerweilen eine preisgünstige Alternative zu meinem Wunschlaufradsatz gefunden hatte und mich da schon entsprechend weit reingegraben hatte und endlich anfangen wollte, dann kam mein Urlaub.
Alles anders...
Die ungeduldige Nachfrage beim Rahmenbauer ergab nichts. OK, wer nicht will, der hat schon. Also schicke ich das Lastenheft halt an jemanden, der wirklich Interesse an dem Auftrag haben könnte.
Aber erstmal im Garten nach dem Rechten sehen. Ich mache schön brav die Gartenmöbel sauber und schaue dabei in Nachbars Garten. Mir fällt ein:
Der Nachbar hat ein Rennrad im Keller stehen. Ein schönes, altes Rennrad. Ich kann mich an glänzend rote Rohre und schöne Alumuffen erinnern. Was er damit wohl noch macht? Der Herr ist fast so groß wie ich. Hmmmmm... Ich frage ihn mal, ob er sich vielleicht von dem Schmuckstück trennen möchte.
Na also, er kommt gerade in den Garten und wir machen ein Pläuschchen. Ich fädle die Sache ein und irgendwie zieht er aber nicht so richtig. Na ja, erst mal die Saat ausbringen, wird schon werden. Ich habe Zeit.
Plötzlich kommt er die Kellertreppe hoch und trägt was rot/silbernes in der Hand. Das Fahrrad! Ja wie? Hat er es sich schon überlegt? Ja, er würde verkaufen, auch wenn es ihm schwer fällt, da ja alle fünf Jahre das Sportabzeichen ansteht und er damit immer gefahren ist. Aber er hat das schöne Stevens-Fitnessrad und damit kann er doch viel leichter rollen, entgegne ich. Alles klar. Ich schnappe mir die Kern-Waage und den Zollstock und bin wie eine gesengte Sau unterwegs in Nachbars Garten.
Das Rad wiegt so, wie es da steht 9,5 Kilo! Mich haut es bald um. Damit ist klar, das Rahmenset taugt für mein Vorhaben. Das kann gar nicht schwerer als vielleicht 1,8 Kilo sein, eher leichter.
Wir haben noch eine Weile rumfilosofiert und ich habe erfahren, dass das Rad Mitte der 80er gekauft wurde, dass der Nachbar damit viel in den Alpen unterwegs war und dass er damit keine Probleme auf Abfahrten etc.hatte.
Ja, es ist also ein 'Alan Telaio Superleggera' in rot/silber und Größe 57x57. Ausgestattet mit Dura-Ace und Campagnolo (vermutlich Record), Drahtreifenfelgen von Wolber usw. Lauter schönes Material in recht gutem Zustand. Lediglich die linke Kurbel hat im Bereich des Kurbelschraubendeckels mal etwas abbekommen, da sind deutliche Kratzspuren zu sehen. Der Rahmen hat bis auf kleine Scheuerstellen vom Bremszug hinten keine optisch wesentlichen Mängel. Die Alumuffen sind etwas angelaufen, das kann ich aufarbeiten.
Der Preis dafür? Niedrig. Deutlich niedriger als das, was ich mir spontan als Maximum gesetzt hatte. Das Geld war gleich beim Nachbarn und ich habe mir das Rad unter den Arm geklemmt.
Die Gartenstühle sind schnell fertig gemacht und mit dem Restwasser den Flitzer schnell saubergewischt und dann eine Reihe Photos vom Originalzustand geknipst.
Entschuldigung für die schlechte Bildqualität, mir war in dem Moment nicht so danach, irgendwas am Photoapparat zu beachten.
















Zerlegen!
Schnell alles Werkzeug aus dem Keller an die Sonne bringen und los geht es mit der Demontage des Rades. Ich bin ja nicht so der Klassikmaterialfreak und deswegen war ich schon begeistert von dem Material. Erfahrene Klassiker mögen mir das nachsehen...
Erste Überraschung - ein Vorbau von Shimano, Gruppe Dura-Ace? Wußte nicht, dass die sowas hergestellt haben. Noch dazu so seltsam. Die Lenkerklemmung ist unter einem Deckel verdeckt, man muss zwei Inbusschrauben für Konusklemme und Lenkerklemme benützen. Sieht aber schön aus und die Länge könnte mir später noch nützlich sein?
Das gammlige Lenkerband war schnell abgerissen, die beigen Bremsgriffgummis sind leider völlig verrottet, die Bremshebel selbst haben so gut wie keinen Kratzer.
Die Bremskörper sind auch Dura-Ace, ein optischer Genuß! Alleine wegen der Bremskörper hat sich der Spontankauf schon gelohnt. Funktion leichtgängig, recht geringes Gewicht. Diese Teile werden zunächst wieder verbaut werden.
Bremszüge, Schaltzüge, Rahmenschalthebel, Bremshebel, Umwerfer, Schaltwerk waren auch gleich demontiert. Die Schaltmechaniken sehen wunderschön aus.
Der Sattel (Selle Royal) ist eine Wucht - über 300 Gramm für das Sofa. Die Sattelstütze ist von Campagnolo, schaut schön aus, ist aber für eine weitere Verwendung leider zu kurz. Sattelstützenmaß? Aha, 25 mm. Na, das wird lustig, hierfür einen schönen, leichten Ersatz zu finden.
Die Laufräder sind in gutem Zustand, die Vorderradnabe (Dura-Ace) hat Spiel, die Felge läuft rund. Das Hinterrad hat einen Seitenschlag, nicht erheblich - denke ich. Alle Speichen (32 Stück pro Laufrad) sind in Ordnung, kein Rost, keine Knicke. Die Felgen von Wolber (Super Champion Alpine) sind kaum abgebremst und wirken sehr schön. Da wird auch wieder was schönes aufgebaut, je nach dem, was die Naben für ein Innenleben haben.
Das Ritzelpaket ist 6-fach und sicherlich nicht mehr zu verwenden, höchstens ein Einzelritzel für einen anderen Eingänger verwendbar.
Die Kette kann ich nicht identifizieren, egal. Die fliegt auf den Müll.
Jetzt wird es interessant, Rahmen, Gewindegabel, Steuersatz, Innenlager und Kurbelgarnitur mit Kettenblättern stehen vor mir. Erst einmal die Gabel ausbauen. Das Teil ist eine Schönheit und wird mit einem Campagnolo-Steuersatz im Rahmen gehalten. Der obere Steuersatzteil läßt sich gut abschrauben, der Lagerkonus verbleibt an der Gabel, die Lagerschalen bleiben im Rahmen. Die Laufflächen haben nicht die geringste Beschädigung. Der Steuersatz bleibt zusammen mit der Gabel und dem Rahmen ein Set. Zunächst. Auch wenn es meinem Leichtbaugedanken weh tut, der Steuersatz ist eigentlich viel zu schwer.
Aber die Gabel! Inklusive Lagerkonus wiegt das Ding 570 Gramm. Das ist nicht so schlecht. Optisch kann ich mir an dem Rahmen eine leichte Vollcarbongabel nicht wirklich vorstellen. Gut, da muss ich mal drüber nachdenken, Potenzial für sicherlich 250 Gramm Gewichtsreduzierung liegt an dieser Stelle vergraben. Eine spätere Ausbaustufe?
Jetzt muss die Kurbel demontiert werden. Kurbelschraubendeckel rechts ist gleich unten. Doch was ist links? Der Deckel läßt sich nicht öffnen. Wie oben angedeutet ist die Kurbel im Bereich des Deckels stark angekratzt, der Deckel durch diese Verformung sozusagen eingeklemmt. Eigentlich kein Problem, ich hole den Dremel mit einer Trennscheibe und schneide den Deckel auf, dabei schneide ich auch in die Kurbelschraube, aber das ist egal. Danach wird der Deckel mit dem Schraubendreher rausgehebelt, leider bricht das Gewinde ab, d.h. Gewindereste des Deckels befinden sich im Kurbelgewinde. Ein Abzieher kann wg. der Kurbelbeschädigung und wegen der Reste im Gewinde nicht angesetzt werden.
Nicht mal die Kurbelschraube bekomme ich raus, denn die 15er Nuß hat zwischen Schraubenkopf und Kurbelgewinde nicht genug Spielraum.
Was tun? OK, die linke Kurbel wird geopfert, ist eh stark verkratzt und ich plane ein neues Lager einzubauen (vorhandenes Shimano Ultegra als funktionaler Startpunkt). Ich könnte natürlich die Innenlagerwelle absägen, aber das Innenlager soll wenigstens für eine Probefahrt und Tests noch drin bleiben. Also wird schonend gearbeitet und viel gedremelt und gesägt. Die Aktion hat einigen Schweiß und wirklich viel Zeit gekostet. Nach und nach habe ich den Vierkant vorsichtig freigelegt und schlussendlich konnte ich die Kurbel mit einem beherzten Ruck abziehen.
Das Innenlager dreht sich leichtgängig, vermutlich fehlt nur etwas Fett und ich könnte es weiter benutzen.
Jetzt erstmal ein Griff zur Kern-Hängewaage. 2.060 Gramm wiegen Rahmen, Lagerschalen und Innenlager zusammen. Durch Infos aus dem Web bin ich zum Schluss gekommen, dass die Lagerschalen etwa 60 Gramm wiegen. Das Innenlagergewicht schätze ich auf 250 Gramm. Somit würde der nackte Rahmen etwa 1.750 bis 1.800 Gramm wiegen.Alle Einzelteile habe ich gewogen und in eine Tabelle eingetragen. Zwischen Gesamtgewicht und Summe aller Einzelteile gibt es eine Differenz, ich vermute, dass die Küchenwaage nicht sauber arbeitet. Alles, was ich identifizieren, messen und sonstwie erfassen konnte, habe ich festgehalten (http://forum.tour-magazin.de/attachment.php?attachmentid=50681).
Der Neuaufbau als 1x1
Die Vergleiche mit der Referenzrahmengeometrie zeigten, dass der Rahmen zwei cm niedriger und einen cm kürzer ist. Kein Problem, Sattelstütze weiter raus, Schaftvorbau etwas raus und einen längeren Vorbau verwenden. Kein Problem? Die Sattelstütze, die wurde das Problem. Das Original ist zu kurz. Um zwei oder drei cm. Schade. Eine 25 mm Stütze mit 300 mm Länge müsste es sein. Leichter Versatz wäre auch nicht schlecht. Blos, der Keller gibt nix her. Wenn ich 100%ig von der Geometrie überzeugt gewesen wäre und was schönes in silber gefunden hätte, dann hätte ich im Web gleich bestellt. Nix war's. Was ich gefunden hatte war schwarz bzw. silber und sackschwer.
Ich war aber neugierig und so bin ich in die Stadt zum örtlichen Händler und habe eine billige x-tas-y-Stütze mit 400 mm und 25,4er Durchmesser ergattert. Nicht genau das richtige, aber schon nahe dran. Kann nicht so wild sein, vier Zehntel von Hand abzuschleifen?
Das hat dann doch drei Stunden gedauert, hätte ich es lieber gelassen. Feile, Dremel, Diamantschleifpapier, 80er Sandpapier, 120er Sandpapier. Ich hatte "Spaß", Staub und Bewegung. Ganz toll. Zu guter Letzt habe ich eine Stütze mit 26 cm Länge und erträglichem Gewicht (240 Gramm) zurechtgezimmert für erste Tests. Polieren schenke ich mir erstmal.
Der Rahmen wurde mit Nevr Dull gereinigt (die Muffen natürlich nur), mit weichem Lappen und Hartwachs ging es dann über alles schön dick drüber und dann wurde dieses wunderschöne Gestell ordentlich blankgerieben.
Lose Teile wie Bremskörper und Steuersatz usw. wurden ebenfalls gesäubert, geölt und gefettet und wieder an den Rahmen geschraubt. Die Gabel läuft in den frisch gefetteten Lagern wie zu erwarten, die Bremsen haben ihre Rückstellkraft nicht eingebüßt, nix quietscht oder wackelt.
Dann kam erstmal wieder der Dura-Ace Vorbau in den Schaft, allerdings kombiniert mit einem alten, etwas verkratzten Lenker von Modolo. Der SR Sakae Custom hat einen zu weiten Bogen, so dass ich viel zu gestreckt in Bremsgriffhaltung sitzen würde. Auch jetzt sieht es danach aus, dass ich entweder den Lenkerbogen noch etwas enger wählen sollte oder eine ungekröpfte Sattelstütze nehmen oder den Vorbau einen cm kürzer wählen sollte. Diese Detailabstimmung bzw. Festlegung, welche der drei Komponenten ich wie ändern muss, wird der Probefahrtbetrieb ergeben.
Der Nachsitz ist korrekt, der Sattel sitzt vernünftig auf der Stütze. Ich denke fast, dass ich statt einem 110er einen 100er Vorbau verwenden werde.
Nur leider sind silberne Schaftvorbauten mit ansprechender Optik heutzutage auch schon selten geworden.Als Lenker wäre von ITM "The Bar" interessant. Wäre Alu natur, enger Bogen, aber leider Rillen für Brems- und Schaltzüge. Ich bräuchte maximal eine Rille für die Bremszüge, wenn überhaupt. Vielleicht gewöhne ich mich da auch dran.
Unklar ist noch die Bremshebelei. Für den Probebetrieb werden die Bremsen mit Shimano Bremshebel der 105er Gruppe mit klassisch freier Zugverlegung angesteuert. Die Originalhebel haben keine Gummis mehr und vom Gewicht unterscheiden sie sich nur minimal von den 105er Hebeln. Die bisher verwendeten 600er Hebel von Shimano möchte ich eher nicht mehr verwenden, das Griffstück ist in Bremsgriffhaltung etwas unbequem. Die 105er Hebel sind leider noch schmäler und fallen für permanenten Betrieb deswegen weg. Mit der Lösung, die Hebel mit klassischer Zugführung zu verwenden, wäre ich eigentlich nicht unzufrieden.
Leichter ginge es kaum. Allerdings kann ich mich noch gut daran erinnern, dass ich beim ersten Eingänger irgendwann die Wäscheleinen nicht mehr sehen konnte und genau deswegen die 600er Hebel gekauft hatte. Wenn ich mich nur entscheiden könnte.
Die originalen Bremsklötze sind kaum abgefahren, ich werde sie einfach mal betreiben und sehen, wie die Bremsflanken damit zurecht kommen. Kann gut sein, dass die Klötze zu hart sind. Wenn das nicht taugt, dann kommen moderne BBB-Bremsschuhe mit 7700er Gummis zum Einsatz.
Das Innenlager wurde gegen das Ultegra gewechselt und die vorhandene Shimano Dura-Ace Kurbel BB-7700 in Kombination mit einem 42er "Golden Arrow"-Kettenblatt und kurzen Kettenblattschrauben/Hülsen montiert. Das Campagnolo-Innenlager hatte üble 290 Gramm gewogen! Damit wiegt der nackte Rahmen ca. 1.700 Gramm. Treffer. Ich bin sehr zufrieden.
Die Kettenlinie liegt bei 47,5 mm und die Verbindung mit dem 16er DX Ritzel konnte mittels einer KMC 8-fach Kette plus Halflink optimal hergestellt werden. Die Hinterachse sitzt mittig im Verstellbereich der Ausfallenden, die Spannmuttern liegen komplett auf.
Bei einem Bekannten habe ich dann noch einen schönen 110er Schaftvorbau von 3ttt gesehen und durfte ihn mitnehmen. Das Silber passt besser zum Rad, die Konusklemmschraube ist mit einem kurzen Inbus zu erreichen, die Lenkerklemmung ist auch mit üblichem Inbus zu bedienen. Bessere Voraussetzungen für Änderungen auf den Testtouren. Der Vorbau wiegt aber stolze 290 Gramm.
Oder doch den Cinelli Grammo in 125 oder 135 mm Länge als Neuware kaufen? Er wiegt nur etwa 190 Gramm. Aber komme ich mit der Länge hin? Kürzere Grammos in Neu gibt es nicht mehr.
Die Bremskörper haben noch keine Verbindung zu den Hebeln, ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich machen werde.
Dann habe ich den Laufradsatz aus dem Keller geholt und mich ans herrichten gemacht. Das Restfett in der Vorderradnabe war schon zähklebend und ist nur schwer entfernbar gewesen. Neues Fett rein und Konus eingestellt. Läuft wie fast neu. Reifen runter - der Schlauch hat schon eine innige Verbindung mit dem Felgenband begonnen und ist mir mehr oder weniger in Stücken entgegengefallen. Der Drahtreifen wiegt 320 Gramm!
Jetzt gehört die Speichenspannung korrigiert und nachzentriert. Beim Hinterrad ging zum Glück das Verschlussritzel leicht runter, die 6-fach Kassettennabe schnurrt wie unser dicker Kater. Die UG-Ritzel kommen in das Reservekistchen für 1x1-Teile. Die Lagerung gehört noch gepflegt und dann ziehe ich den Seitenschlag raus und erhöhe Speichenspannung und zentriere nach.
Gewicht des Vorderrads ohne Schnellspanner und Felgenband: 800 Gramm. Das Hinterrad wiegt ohne Ritzel, ohne Spanner, ohne Band 990 Gramm. In Summe ist das die gleiche Größenordnung wie der CXP30/36/Dura-Ace Laufradsatz, der optisch auch gut zu dem Rad passen könnte. Ausprobieren.
Der Vorbau macht mir noch Gedanken, ich beschließe, dem großen Milanetti seine Vorbau/Lenker/Bremszugeinheit zu klauen und verfrachte einfach mal ein starkes Kilo Alu, Magnesium und Stahl an das ALAN, um endlich mal fahren zu können.
Als Laufräder tun die FIR Mast vom Rennrad fix ihren Dienst und die erste Probefahrt kann beginnen. Wesentliches Fazit: Ich sitze zu komfortabel, ich brauche wohl den 125er oder evtl. sogar 135er Vorbau. Perfekt. Bestellt und zwei Tage später war er da, in Länge 125 mm.
In der Zwischenzeit habe ich einen ordentlichen Laufradsatz gebaut und dabei einiges gelernt.
Nächstes Sorgenkind: Der Lenker. Ich könnte einen vorhandenen Lenker in silber ohne Rillen nehmen. Wiegt halt mehr als 300 Gramm. Ich könnte den silbernen Lenker vom Rennrad verwenden und dem Rennrad dafür einen schwarzen Lenker spendieren. Bin jedoch zu faul, das Zeug umzubauen. Also kommt der 300 Gramm Bogen an die Reihe, ich will endlich mit Rennlenker testfahren, das Zeug wird später getuned.
Bremsgriffe? Oh weh... Ich entscheide mich für Zugführung am Lenker, entscheide mich, bei Rose die Griffe zu kaufen, die mit 260 Gramm angegeben werden und angeblich gut für kleine Hände sind. Na ja, was für kleine Hände gut ist, kann für meine Pranken nicht so schlecht sein.Das Material kommt pünktlichst und ein verregnetes Wochenende wird intensiv zum Bauen benutzt.Ende vom Lied ist ein einigermassen harmonischer Prototyp, der noch an richtig viel Übergewicht leidet.
8,4 Kilo sagt die Kern-Hängewaage. Den Tachohalter und Sender noch dazu, dann sind es ca. 8,5 Kilo.
Hier die Version 1 dokumentiert:






















Erste Eindrücke (Ende Mai 2006)
Das Fahrverhalten ist klasse. Nach etwa 500 km Testerei würde ich mal sagen, das Rad wird mein neuer Liebling.
Dadurch, dass der Rahmen recht klein ist, die ungekürzte Sattelstütze das Sitzrohr stabilisiert und der Schaftvorbau bis in die untere Muffe reicht, ist die Fuhre nicht so labil wie zunächst befürchtet. Die Gabel ist toll. Ich bin noch kein solch komfortables Fahrrad gefahren. Es flattert nicht, auch nicht freihändig bergab und es fährt halt da hin, wo ich es haben will. Ich hab' nix zu meckern an dem Ding. Knarzen tut es auch nicht/(noch nicht?) - ich habe es schon zünftig gequält...
Erste Überlegungen zum Gewicht (Ende Mai 2006)
Die Komponentenüberlegung für die nächsten Schritte steht schon im Detail. Ganz grob wird folgendes gemacht:
Steuersatz gegen Stronglight A9 tauschen: -80 Gramm
Lenker gegen ITM Unika Karbon Lenker oder ITM The Bar tauschen: -200 Gramm
Sattel durch SLR ohne Leder austauschen: -120 Gramm
Sattelstütze um 55 mm kürzen: -20 Gramm
Kettenblatt von 42 auf 39 Zähne wechseln, Ritzel von 16 auf 15 Zähne wechseln - spart ein Kettenglied, Kette dann KMC X10 SL Gold möglich ohne Half-Link. Flaschenhalter aus Aramid: -35 Gramm
Flaschenhalterschrauben aus Alu: -10 Gramm
Innenlager Ultegra gegen Dura-Ace tauschen: -60 Gramm
Bremshebel gegen Le Chi (Suntour Nachbau) tauschen: -75 Gramm
Bremsklötze, Beläge tauschen: -40 Gramm
Laufradsatz tauschen: -1.000 Gramm (kann auch mehr sein)
Pedale gegen Xpedo RF-S1 tauschen: -190 Gramm
Zwischensumme: -1.950 Gramm
Kleinkram:
Lenkerband dünner wickeln
Sattelstützenklemmbolzen tauschen
Kettenblattschrauben/Hülsen tauschen
Zughüllen und Züge tauschen
Summe: um die -2.000 Gramm
Und somit wäre ich dann bei ca. 6,4 Kilo.
Das Thema Kurbel ist noch nicht mal angekratzt, durch den Wechsel auf Titan 4-Kant Lager mit entsprechender Kurbel geht da nochmal deutlich was. Und der Tausch der Gabel bringt auch nochmal -100 bis -200 Gramm. Der Sattel könnte nochmals getauscht werden, aber ich halte es für unpraktisch, mich auf Carbon zu setzen. Extreme Schlauchreifen noch gar nicht berücksichtigt, Systemwechsel Pedal auch noch nicht durchdacht... Potenzial rund um den ALAN-Rahmen ist genug da. Kleiner 6 Kilo geht auf jeden Fall in Ordnung.
Stand heute, März 2007: 6.775 Gramm fahrbereit. Vieles der obigen Liste ist erledigt bzw. in ähnlicher Weise angedacht, die damalige Abschätzung, recht einfach unter 6,5 Kilo zu kommen, hat sich bestätigt.
Erfahrungen etwa Mitte August 2006
Ich habe mit dem ALAN seit Ende Mai etwas über 2.200 km zurück gelegt. Darin enthalten vier Langstrecken um 300 km mit reichlich Höhenmetern.
1. Der Rahmen hält, macht keine Geräusche.
2. Die Dura Ace Schnellspanner packen gut, das HR verreißt es mir nicht dank der guten Verzahnung mit dem rel. weichen Alu der Ausfallenden.
3. Die Bremszangen sind ein Gedicht, die Bremsbeläge aus dem Jahre 1985 eher weniger, wurden durch BBB-Bremsschuhe mit DA-7800 Belägen ersetzt. Jetzt bremst das Rad auch im Nassen...
4. Pedale wurden gegen die Nachfolger ersetzt. Schöner und leichter.
5. Der Cinelli-Vorbau ist nicht so optimal, denke ich. Alle 300-500 km kann ich den Krampf aus dem Vorbau ziehen und mit Kupferpaste (dick aufgetragen überall) wieder zum Schweigen bringen. Leicht ist er, aber taugt nix. Der Vorbau ist das einzige Teil am Rad, was jetzt Krach macht.
6. Der Antriebsstrang wurde von 42/16 mit breiter Kette und HalfLink auf 39/15 mit Connex 9-fach und HalfLink geändert. Warum? Gewichtsreduktion, Optik und nicht zuletzt die Möglichkeit, ein 15er Boone Titanritzel einsetzen zu können, welches den FRM-Freilaufkörper schont.
7. Der Sattel wurde durch einen 135er SLR ersetzt. Bin momentan zu faul, dem Ding sein Leder abzuziehen - Winterarbeit.
8. Die Bremshebel von Rose sind ergonomisch, aber zu schwer. Record Carbon kommt da dran, vllt. das einzig Wahre bezüglich Optik, Haptik und Gewicht?
9. Die U.S.E.-Stütze ist klasse, kann im Winter sicherlich noch etwas gekürzt werden, die optimale Sitzposition steht schon lange fest.
Gewicht aktuell, so wie andere ihre Fahrräder im Katalog stehen haben (keine Flaschenhalter/Schrauben, keine Pedale, kein Tachozeugs, kein Ersatzreifen usw.) = 6,8 Kilo. Fahrbereit inkl. Ersatzreifen usw. um die 7,5 Kilo.
Dezember 2006
Stand der Dinge: Der Rahmen ist in 2006 zwischen Mai und Dezember etwa 4.000 km mit mir unterwegs gewesen. Keine Probleme. Bin damit durchweg Langstrecken gefahren (345 km, 320 km, 2x 300er, einige Male 200 km). Komfortabel und robust genug. Habe mir zwar angewöhnt, die Hinterradbremse aufzumachen, da ab so ungefähr 10% Steigung im Wiegetritt der Hinterbau ?etwas? flext, aber das ist nicht wirklich schlimm für mich.
Winterarbeiten
Alulenker in einigermassen leicht ist endlich da, Syntace mit 26er Klemmung und 42 cm Breite. Enden um 15 mm gekürzt, 230 Gramm lt. KERN-Waage.
Steuersatz mit 80 Gramm liegt auch hier, also kriege ich momentan etwa 200 Gramm abgespeckt.
Sattelstütze gekürzt (schräg abgesägt).
Die 7 Kilo sind unterschritten, momentan liegen schon wieder ein paar Ideen auf der Werkbank, mit denen es unter 6,7 Kilo gehen wird.
Version 03: 6.995 Gramm. (Kataloggewicht, also ohne Flaschenhalter und Pedale etwa 6,7 Kilo)
Um unter 7 Kilo zu kommen, war etwas Kreativität gefragt.
2x rechte Seite:


FRM Carbon, Sapin CX Ray, Ambrosio, Boone, conneX 1010 mit für 10-fach modifiziertem HalfLink, PVC-Rohr, Aldi-Innenfünfkant-Spanner (75 Gramm), Innenlager Ultegra, Kurbel DA-7700

Hier also der Witz der Angelegenheit. DA-Hebel, DA-Züge, DA-Bremsen, alles ca. 1985, Originalteile. Gewicht der Hebel: 175 Gramm, Reifen Tufo S3 Lite (215 Gramm/Stück)

Frontalansicht im Schneeregen. Vorbau Cinelli Grammo 135 mm, Lenkerband Rose, Steuersatz Stronglight A9, Gabel ALAN, Pedale XLC W-41 (255 Gramm), Stütze U.S.E. Alien (185 Gramm), Sattel SLR Standard

Lenker Syntace Ergoirgendwas 7075, um 15 mm gekürzt (230 Gramm)

Detail Hebel

Detail Bremskörper, Bremsschuhe BBB bzw. Shimano, Belag DA-7800

Griffposition 1

Griffposition 2

Griffposition 3

Blick aufs Cockpit. Der Lenker ist normalerweise schwarz. Der silberne Ton kommt von hauchdünner Folie. Abschlussband Elektrokram, Lenkerstopfen No-Name

Detailgefrickel mit den Bremsen
Das liegt auf der Werkbank:
Grundlage war/ist der 600er Aerohebel von Shimano. Laut Küchenwaage 125 Gramm das Stück, inkl. Schelle.
Ergebnis nach einiger Arbeit: 90 Gramm.
Modifiziert wurde:
- Rückholfeder entfernt (sowieso nutzlos, wenn der Zug flutscht und die Bremse vernünftige Federn hat)
- Alle Plastikteile entfernt
- Gummiüberzieher entfernt
- Am Höcker abgesägt
- Die Nase vorm Höcker abgesägt
- Die seitlichen Aussparungen für die Lenkerklemmung ausgerundet
- Den Höcker abgeschliffen (konkav und konvex
- Den Bremshebel oberhalb des Anlenkpunkts angefast
- Alle Flächen des Hebelkörpers beschliffen, alle Einprägungen etc. ausgeschliffen
- scharfkante Sachen geglättet
- Griffbandage durch Bandagen alter Weinmann-Bremsen ersetzt (bringt 20 Gramm!)
- der Hebel selbst ist bisher kaum bearbeitet

Version 3.1, möchte ich's mal nennen
6,940 Kilo inkl. Tacho und Flaschenhalter (ohne dieses Equipment wären es 165 Gramm weniger -> 6.775 Gramm), Kataloggewicht wäre 6.620 Gramm:

Optik relativ unverändert:


Die Gewichtsreduktion kommt von drei Stellen:
1. Innenlager. Statt 260 Gramm für das Ultegra (inkl. Kurbelschrauben) sind nun 210 Gramm Titan/Alu-Vierkant im Rahmen (auch mit Schrauben, wobei diese aus Stahl sind und da auch noch ein paar Gramm rausgeholt werden können). Verbesserungspotenzial auch noch beim Konterring, er ist mangels Auswahl im Kleinteilemagazin noch aus Stahl. Ein Alupendant wird nochmals -5 Gramm bringen.

2. Kurbel. Statt Dura-Ace mit 455 Gramm (ohne Blatt und Schrauben) nun Golden Arrow mit 475 Gramm (brutto). 10 Gramm davon konnten entfernt werden, indem die Aufnahmen für das innere Blatt abgesägt wurden sowie die Hülsenaufnahmen bearbeitet wurden. Das restliche Mehrgewicht von 10 Gramm konnte durch Verwendung von Alukettenblattschrauben und Hülsenmuttern ausgeglichen werden, vorher war teilweise Stahl verbaut. Gleichstand.

3. Bremsen. Hier spielte richtig die Musik. Die DA-Bremskörper wurden demontiert und nominell gleichschwere Körper der Golden Arrow Serie bearbeitet:



Ergebnis geht momentan ganz in Ordnung. Das gesante Set inkl. Stopper wiegt jetzt noch 255 Gramm, die Bearbeitung der Stopper führte zudem zu brachialer Bremsleistung. Original standen hier mal 325 Gramm in der Liste. Weitere Kleinoptimierung durch Aluhülsenmuttern möglich, blos irgendwie schwachsinnig teuer, das Zeug.
4. Die Schnellspanner wurden noch bearbeitet, -5 Gramm (Achse gekürzt, Aludrehteil gekürzt:

Was wird V4 bringen?
Die Bremshebel werden ersetzt durch gleichschwere Hebel, die allerdings eine Zugverlegung am Lenker erlauben, damit wird dann weniger Zughülle und Zug benötigt.
Zughüllen werden ersetzt werden.
Lenkerbandstopfen werden geändert.
Wenn bis dahin die Schlauchreifen fertig sein sollten -> leichtere Tufos
Ggf. wird der Grammo am Schaft gekürzt, entsprechend auch die Schraube.
Der Flaschenhalter inkl. Schrauben (jetzt in Summe 65 Gramm) wird wohl weichen müssen.
Der Sattelstützenklemmbolzen wird aus Alu sein.
Die vier Befestigungsschrauben der Stopper werden Alus werden.
Der Sattel wird vllt. doch noch seine Haut verlieren, wenn er nicht vorher kaputt geht (Geräusche zw. Rails und Plastik).
Die Kettenblattschrauben könnten noch gekürzt werden (eher optischer Effekt)
Der noch vorhandene Sockelrest für die Rahmenschalthebel kommt weg.
Die Kette wird durch eine leichtere 10-fach ersetzt.
Der Tachohalter wird Erleichterungsbohrungen erhalten, Der Sensor wird erleichtert werden (Gummipuffer zw. Sensor und Gabel kleiner gestalten usw.)
Ein anderer Speichenmagnet.
Was bleibt: Das Schaltauge... :D
Das sind geschätzt nochmal 80-100 Gramm.
Montag, 28.08.2006
Spontanötzi
Freitag Vormittag, ein Bürotag
Die Gedanken schweifen auf dem Radweg zur Arbeit hin und her. Was machste am Wochenende? Ein wenig mit der Gurkentruppe rumrollen? Oder nochmal etwas gescheites als Vorbereitung auf die Schweiz? Rosti fährt den Ötzi. Der Säckl. Hat eine saubere Bergvorbereitung. Ich net so wirklich. Soll ich nochmal was spontan machen? Aber was? Ist ja noch Zeit, irgendwas fällt mir schon ein...
Freitag Vormittag, immer noch der gleiche Bürotag
Bingo, ich hab's! Ich fahre auch nach Sölden. Mir doch wurscht. Da kann ich versuchen, mein Negativerlebnis vom Forumsötzi (Juni 2006) zu übertünchen. Au ja! Und die Motivation war plötzlich da. Der berühmte Floh im Ohr hatte mir das eingeflüstert: Fahr doch nochmal mit, sagte er, der Floh. Ich: Ja und wie soll denn das gehen, lieber Floh? Ich habe keinen Startplatz. Der Floh: Macht doch nix.
Freitag Abend, Vorbereitung
Der Floh sagte dann zu mir: Packe ein, was du unterwegs zu trinken und essen brauchst und dann los. Ich: Hmmmmmmmmmmmm... Na gut, mal überlegen.
Freitag Abend wurde im Keller getüftelt, wie ich möglichst viel Krempel unterbringe und herausgekommen ist eine recht brauchbare Lösung, die mir gestattete, 2,5 Liter Flüssigkeit und jede Menge Gel und Riegel mitzuführen. Kleidung wie üblich für solche wackligen Wetterbedingungen. Das Systemgewicht müsste zwischen 95 und 97 Kilo betragen haben, nun ja...
Für das Vorhaben waren die F-Ötzi-Erfahrungen sehr wertvoll. Die Anreise, dann Sölden selbst wg. Parkmöglichkeit usw., es war schon vorteilhaft, zu wissen, was da los ist.
Apropos los
Bin am Samstag noch auf einer Geburtstagsfeier gewesen, dort gab es reichlich zu essen für mich. Zwischen 21 und 22 Uhr hatte ich eine Stunde geruht. Um kurz vor 23 Uhr dreht sich der Zündschlüssel rum und ab ging es auf die 465 km lange Reise. Exakt 4 h später stand ich in Sölden unterhalb der Kirche auf dem Parkplatz. Den Wecker auf 5 Uhr gestellt, in die Wolldecke eingemummelt und quer auf den drei Vordersitzen zusammengerollt. Schnarch....
Es ist Sonntag! Aufstehen, du Schlafmütze!
Schon vor 5 Uhr klappten die ersten Autotüren auf und zu, den Wecker hätte ich mir sparen können. Erstmal das mitgebrachte Material verfrühstücken, dann überlegen, was ich anziehe, Getränke herrichten, Fressalien überall am Körper verstauen und fertig die Laube. Um 6:10 Uhr stand ich irgendwo im wartenden Feld, etwa auf Höhe des Übergangs über die Hauptstrasse.
Es ist immer das Gleiche, ich drehe mich rum, schaue ein wenig und was ist? Neben mir unterfränkischer "Släng". Klar, Radler aus Bad Neustadt. Die sind aber auch überall auf dieser Welt unterwegs. Wir kennen uns vom sehen bzw. haben gemeinsame Bekannte. Die Welt ist ein Dorf. Ansonsten fällt mir niemand weiter auf.
Gentlemen, start your engines!
Um 6:30 Uhr dann der Startschuss, etwa um 6:40 Uhr rolle ich unter dem Startbogen durch. Tacho an und los!
Sölden - Ötz
Runter nach Ötz schön im Palaver mit einem Karlsruher Ex-Kurier (wir kannten uns schon von einem Rhönmarathon) und dann ein Forumstrikot, Stelvio ist es. Nach ein paar Worten bin ich weiter, wir hatten eher unterschiedliche Geschwindigkeitsvorstellungen.
Rätselhaft ist, warum es auf dem Streckenabschnitt schon Defekte (ein abgerissenes Schaltwerk, einen Kettenriss usw.) gibt, Platte Reifen auch schon reichlich und den einen oder anderen Sturz. Und wir waren noch nicht mal im Bereich der Kreisverkehre.
Zwischendurch esse ich ein Vollkornbrot mit Käse und Wurst und eine Banane.
OK, ich bin gut zurecht gekommen, kurz vor Ötz habe ich dann reichliche Minuten Zeit verloren, da ich nicht so recht wusste, wohin mit meiner Windjacke. Musste etwas umpacken, dann ging es gut. So waren es 48 Minuten bis zum Einstieg in die Kühtaiauffahrt.
Ötz - Kühtai - Kematen
Unten gleich rechts, kaum 10 Höhenmeter vorbei: wieder ein abgerissenes Schaltwerk am Strassenrand, ein Stück weiter ein ordentlicher Kettenklemmer, dreckige Hände, verzweifelte Gesichter, krachende Getriebe, fluchen und schimpfen. Verstehe ich ehrlich gesagt nicht, was da abgeht, blos weil es mal kurz bergauf geht...
Die Kühtaiauffahrt war ein Traum für mich. Meine Wohlfühltemperatur, die Feuchtigkeit in der Luft, die vielen Menschen aussenrum. Ich habe überholt, überholt, nur überholt. Völlig übermotiviert, aber es hat sooooooooooo Spaß gemacht. Irgendwo unterhalb der Kehrengruppe sehe ich dann Sky und bleibe ein paar hundert Meter bei ihr. Sie klingt ernüchtert, leicht frustriert. Sie glaubt, dass sie "nur" bis St. Leonhard fahren wird. Ich kann da nicht viel sagen und nehme wieder mein eigenes Tempo auf. Ich sehe erneut ein Forumstrikot, Domo ist es, ich dachte zunächst, es ist ginny. Entschuldigung für die Verwechslung!
Im Steilstück hat dann jemand ein technisches Problem, eine Schuhplatte hat irgendwas. Links steht ein Motorrad und der Servicewagen, also eine Engstelle. Es geht gerade so, dass es keinen echten Stau mit Stillstand gibt. Irgendjemand will einen Witz hören. OK, kein Problem. Ich erzähle einen Österreicherwitz. Kam net so gut an, glaube ich. Einfach zu viele Österreicher in der Gegend.
Die Zeit vergeht wie im Flug, meine Planung, mit 1:20 h hochzukommen geht evtl. genau auf, etwas blöd ist die Siffe in der Baustelle, dafür die Beschallung mit dem Diskjokey, der wahrscheinlich eine ausgelutschte 50 Watt Anlage rumstehen hatte, um so lustiger. Highway to Hell. Blos halt viel zu leise.
Knappe 2:15 h hatte ich oben an der Labe. Ich will da durch. Geht nicht, es ist alles verstopft. Irgendjemand reicht mir Suppe. OK, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul und ich nehme den Becher an.
Ein Stück weiter unten, schon in der Abfahrt noch ein Stop. Doch noch rein in die Jacke, die Neoprenhandschuhe an und ab geht es. Im ersten Tunnel dann eine Überraschung. Ein einigermassen wildes Pony. Die Kühe waren nicht sonderlich beeindruckt, aber das Pony, das war aufgeregt und zum Glück ist die Gruppe vor mir noch einigermassen rechtzeitig in ein moderates Tempo, kurz vorm Stillstand gekommen.
Bergab wieder etwas essen, ein Bissen vom nächsten vorbereiteten Silberling (Nutella und Schwarzbrot diesmal).
Im Steilstück der Abfahrt war nicht mehr als 75 oder 80 km/h drin, es gibt reichlich komische Abfahrer. Warum fahren die, die Angst haben, nicht einfach rechts?
Nach 3 h habe ich den Kreisverkehr mit Abzweig nach Kematen erreicht, es stehen viele Zuschauer und applaudieren. Prima!
Inntal - Innsbruck
Ich esse wieder was, trinken tue ich insgesamt etwas zu wenig, das ist den niedrigen Temperaturen zuzuschreiben.
Weit und breit keine Gruppe, ich hole einzelne Fahrer bzw. Zweier-, Dreierteams ein und so sammelt sich langsam hinter mir sowas wie eine Gruppe. Dummerweise bin ich der Depp, der arbeitet, keiner macht Anstalten, ein sauberes Tempo mitzufahren. In Innsbruck bin ich ungefähr bei 3:30 h und setze eine Tachomarkierung bei der Überfahrt über die Brücke.
Innsbruck - Brenner - Sterzing
Die erste Gruppe, die ich sehe, die hatte eine Reisegeschwindigeit von 18 km/h. Mal kurz reingesetzt, etwas orientiert und dann vorne raus. Die nächste hatte dann um die 22 km/h, immer noch nichts. Weiß nicht mehr, wieviel Gruppenhopping ich machen musste, aber erst im Breich von Matrei ging was zusammen, vorher habe ich Anton getroffen, er war nicht so zufrieden. Dachte, er läßt sich evtl. mitziehen, aber war leider nichts.
Esse zwischenrein wieder was von meinem Proviant und zwinge mich, ordentlich zu trinken.
Nach Matrei ging es (vielleicht auch dank der vielen Zuschauer?) ziemlich flott weiter und die Gruppe ging mit über 30 km/h. Das Steilstück war auch kein Problem, da habe ich jemanden getroffen, der den Kingtom kennt, Michael heißt er, noch so ein "Verrückter", will RAAM fahren und nächstes Jahr P-B-P.
Die Ankunft oben bei der Brennerzeitmessung ist nach 4:25 h. Unfreundlicher Regen, ich fahre in die Labe, um Jacke und Handschuhe anzuziehen, sehe ein Forumstrikot und einen blonden Zopf unterm Helm, könnte ThomasD gewesen sein. Mein Schnitt lag zu dieser Zeit bei ca. 29 km/h. Ich war bislang zufrieden. Hatte Spaß und die Beine waren schwer in Ordnung.
In der Abfahrt nach Sterzing kommt die Sonne raus, in Sterzing ist es trocken. Das Flachstück nehme ich gemächlich, um mich rum ist niemand und ich ziehe Jacke und Handschuhe während der Fahrt aus und schaffe es, die Sachen auch so zu verstauen, dass nichts verloren geht. Unglaublich, was alles auf der Strasse liegt. Ich habe Armlinge, Windwesten, jede Menge der Continental-Reifentäschchen, Handschuhe, Halstücher, Rennkäppis, Überschuhe, Luftpumpen usw. gesehen. Da könnte man sich locker neu ausstatten.
Jaufenpass - St. Leonhard
OK, Jaufenpass. Unten sagt die Uhr recht exakt 5:00 h, meine durchschnittliche Aufstiegsleistung lag zu dieser Zeit noch bei 850 hm/h, das Ding hat 1.125 hm oder so, stand auf einem Schild, also könnte ich in 1:15 bis 1:20 h hochkommen. Ich mag den Jaufen.
Es geht gleichmäßig und harmonisch, schaut man die Steigungswerte an, pendelt das immer um 7-8%, das ist genau meine Kragenweite für die nächste Zeit. Die Plauderei rundherum verstummt, die Stimmung wird ruhig, meditativ, jeder macht seine Arbeit.
Ich werde überholt, ich überhole, insgesamt verliere ich an der Auffahrt aber doch eher Positionen, der Puls hängt an der Schwelle und drüber will ich nicht, am Brenner war ich permanent im roten Bereich, ich muss versuchen, mich deutlich zu erholen, sonst gibt es später argen Stress.
Es macht kurz Pling! und aus einem dieser wundervollen Systemlaufräder von Mavic (Die Dinger, die immer so lustig Krach machen.) fällt einfach eine Speiche. Erheiternd... Der Betroffene nimmt es mit Humor und kann mit einem mäßigen Seitenschlag weiterfahren.
Eine Italienerin mit ihrem Partner zieht vorbei, sie wiegt vielleicht 40 Kilo. Kein Wunder, dass ich da eher nicht mithalten kann. An dieser Stelle: Warum wickeln sich italienische Radfahrer Frischhaltefolie um den Helm? Angst um die gegelte Frisur oder was?
Ich möchte bzw. sollte etwas essen, mein Magen knurrt etwas. Auf Brot hatte ich keinen Hunger, also vielleicht mal ein Gel? Ich ziehe eines von diesen Powerbar Koffein-Dingern aus der Tasche und muss sagen: Schmeckt zum Fürchten und läßt sich schlecht ausdrücken. Die Form von diesen "Fläschchen" ist etwas ungeschickt. Na ja, so verbringe ich meine Zeit damit, das Fläschchen möglichst ordentlich in kleinen Zügen zu leeren und zwischendurch zu trinken. Vielleicht ist das gar nicht so verkehrt gewesen.
Nach der Baumgrenze sehe ich einen Radler, der ziemlich dreckig war. Er wurde in der Kühtaibaustelle durch plötzliches Anhalten eines Vordermanns etwas unsanft in den Matsch abgeladen. Wir unterhalten uns über Schwarzwälder Radmarathons und gemeinsame Quälereien an div. Rampen dort. So vergehen die letzten Höhenmeter wie im Flug und tatsächlich, die Uhr zeigt mir ungefähr 6:20 h an.
Ich steige kurz ab und spüre ein bislang unbekanntes Problemchen im linken Fuß, ich kann kaum auftreten. Das fühlt sich an, als ob der Fussballen "brennt". Da ich bisher eh so gut wie alles sitzend gefahren bin, dürfte das hoffentlich am Timmelsjoch keine arge Einschränkung werden, denke ich. Das Wetter ist gut, Jacke und Handschuhe ziehe ich trotzdem wieder an. Was auch richtig war. Auf den ersten Höhenmetern bergab (etwa bis in den Wald hinein) da war es schon noch empfindlich frisch.
Die Abfahrt war ein Traum, ich versuchte, komplett ohne Hinterradbremse auszukommen und es gelang mir auch bis auf sehr wenige Ausnahmen (Nässe in Kurven). Bergab wurde ich kaum überholt, selber konnte ich diverse Kollegen einfangen. In St. Leonhard empfängt uns dann eine nette Frau am Strassenrand mit riesen Lärm. Sie drischt wie narrisch mit einem Kochlöffel auf eine Pfanne ein. Nett...
St. Leonhard - Moos
Unten am Kreisverkehr sagt die Uhr etwa 7:10 h, ich verlasse den Ort und halte rechts an. Erstmal die Trinkflasche in den Trinkrucksack umfüllen, etwas essen und die Jacke sowie die Handschuhe wegpacken. Neben mir sitzt auf der Mauer ein Häufchen Elend, zugedeckt mit seiner Regenjacke. Der Kollege hat Magenprobleme und wartet auf den Besenwagen.
Mir ist während der ganzen Runde aufgefallen, dass sehr viele Reifenpannen im Bereich einer Abfahrt bzw. am Ende einer Abfahrt geflickt wurden. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie das ist, wenn bei Tempo 70 keine Luft mehr im Vorderreifen ist. In den Auffahrten habe ich (bis auf Kühtai, da war viel los mit Defekten) kaum platte Reifen gesehen. Woher kommt das? Die Strassen waren sauber.
Auf geht?s, sage ich mir, ein Anstieg noch. Ist nicht mehr schlimm, nur noch etwa 60 km, mehr als die Hälfte davon bergab, der Rest geht auch irgendwie. Hopp, Hopp! Los, das packst du... Was für ein Unsinn.
Es war warm. Bis Moos standen laufend Radler am Rand und hatten ihre Kleidung weggepackt. Die Kilometer zwischen St. Leonhard und Moos sind mir enorm schwer gefallen. Mir war einfach zu warm. Gekurbelt hatte ich meistens 34/21, das hat recht gut zur noch vorhandenen Leistung gepasst. Überholt werden und selber überholen hielt sich so einigermassen die Waage.
Hoch zum Joch
Nach Moos, am Beginn der Kehrengruppe habe ich dann wieder etwas Spaß an der Sache gefunden, wurde jedoch ernüchtert, als das Schild "21,5 km bis Passhöhe" kam. Was, noch so viel?
Hatte dann die Distanz in Gedanken gedrittelt, um kleinere Häppchen zu verdauen. Obwohl ich schon über 15 Stunden mehr oder weniger wach war, hatte ich keine gesamtheitlich müden Phasen, müde wurden nur die Beine, aber kein Wunder, oft standen zweistellige Steigungswerte auf dem Display.
Dann kam der Brunnen mit frischem Quellwasser, ich füllte auf. Mir war bewußt, dass ich sicherlich zuviel Wasser mit mir rumfahre, aber ich wollte bei der Wärme nichts riskieren. Lieber zuviel Gewicht als "verdörren".
Irgendwann wurde es flacher und die Labe kam in Sicht. Auf dem Schild dort stand "noch 11,9 km bis zur Passhöhe". Immer noch so weit? Ich bin schon sicherlich eine Stunde unterwegs für 9 oder 10 km. So wird das nix mit meiner anvisierten Zielzeit von 10 Stunden. An dieser Stelle hatte ich das Ziel für mich abgehakt, nach der Labe kommt ein schönes Stück mit neuem Teer, leider voll im Wind bis die Kehre bei dem rostroten Brunnen kommt, ich nutzte die geringe Steigung für etwas Nahrungsaufnahme. Ein Gel war wieder dran, aber diesmal von einem anderen Hersteller. Das ließ sich auch besser ausdrücken.
Es fing an zu nieseln, es wurde kühler, die Armlinge ziehe ich hoch und freue mich dennoch über die frische Temperatur. Für mich ist das einfach besser. Einen Ötzi bei 30° C zu fahren kann ich mir gerade überhaupt nicht vorstellen. Vermutlich ist das unmenschlich? Der Blick fällt auf ein größeres Schneefeld in einem der Berge in meinem Sichtfeld.
Ich versuche, etwas von der Landschaft aufzunehmen und nicht zu sehr mit mir zu hadern, dass ich den Kampf um eine ordentlicher TJ-Zeit verloren habe. Von hinten kommen mittlerweile vereinzelt Autos, die Überholvorgänge verlaufen nicht immer harmonisch, Radelkollegen vor mir werden unsanft zur Seite gehupt. Selbst halte ich mich weitgehend rechts und fahre wie zu Hause im Strassenverkehr auch.
Es geht halt so dahin, ab und an mache ich ein paar Wiegetritte, das meiste fahre ich im sitzen, 34/24 ist mein Freund. Den Rettungsring hatte ich bis dahin nicht gebraucht. Es gibt noch eine Getränkelabe, dort werden noch ca. 7 km bis Ende TJ signalisiert. Zwei Drittel der Auffahrt sind vorbei. Eine zähe Sache. Ich bekomme eine Cola gereicht, ich nehme sie gerne an. Am Strassenrand geht ein Radler zu Fuß, ich versuchte ihn zu motivieren, nochmal aufzusteigen. Nachdem er sagt, dass er derbe Magenprobleme hat und schon eine Weile marschiert, da lasse ich meine Worte lieber stecken und mache mich nach einem Gruß an ihn wieder auf die Socken.
Auf den letzten Kilometern versuche ich mal auf ein paar Meter, ob mir 34/28 mit höherer Trittfrequenz irgendwas nützt, aber eher das Gegenteil ist der Fall, ich brauche den Gegendruck vom nächstdickeren Gang. Der Puls geistert um 150 Herzschläge. Provozieren lassen sich kurzfristig auch 155, bringt nur nichts.
Der Blick auf die letzten 2 km vor dem Tunnel wird frei, einmal links hoch, Kehre, rechts hoch, Kehre, links hoch und dann die letzte Kehre und die Anfahrt zum Tunnel. Genial. Die Sau ist besiegt. Vorm Tunnel stehen ein paar Mädels und feuern uns an, im Tunnel ist Höllenlärm wg. der Aggregate, der Lärm steht dennoch nicht in einem ordentlichen Verhältnis zu dem bisschen Licht, das angeboten wird.
Nach dem Tunnel ziehe ich die Klamotten wieder an, ich stehe direkt bei den Moppedfahrern, die Wasser und Red Bull austeilen, OK, ich nehme einmal aufgelöste Gummibärchen. Bäääääääääääääh...
Der nächste, kurze Abschnitt bis zum Grenzübergang ist ekelhaft. Gegenwind und feines Mistwetter, es beginnt zu regnen. Sogar in dem elend windigen Bereich stehen noch eine Handvoll anfeuernde Mädels. Respekt.
Runter und fertig
Dann geht's bergab. Leider nicht so flott, wie ich das gerne hätte. Der Gegenwind ist brachial, trotz Mittretens schaffe ich nur mühsam die 60 km/h zu knacken, erst in der Geraden, die direkt auf den Gegenanstieg zuführt, erreiche ich mit heftig flatternder Windjacke und Regentropfen wie Nadelstiche im Gesicht etwas über 70 km/h.
Der Gegenanstieg kommt und geht, das Ding ist mir völlig wurscht und ich drücke einen dicken Gang drüber. Am Mauthaus ist die Strasse komplett naß, es regnet richtig unangenehm und das Wasser steht in den Schuhen und Socken. Ich friere mich runter.
Der weitere Verlauf im Ötztal ist trostlos und langweilig, ein paar Radler sammle ich ein, die wenigen Kehren vor Sölden machen wieder Spaß und schon bin ich drin, in Sölden. Aus die Maus, rum ist es. Geschafft.
Und?
Im Zielbereich schaue ich mich um, hätte vielleicht gar nicht reinfahren sollen, denke ich mir, lieber gleich zum Parkplatz, so naß wie ich bin. Es hat sich jedoch gelohnt, ich sehe Rosti und wir begrüßen uns. Er war leicht erstaunt, dass ich mich inkognito hier rumgetrieben habe.
Schnell zum Auto, Katzenwäsche aus dem Kanister, ein Schwätzchen mit einem Italiener und dann ging es mir wieder prima in den kuschlig warmen Trainingsklamotten. Danach bin ich zurück in den Zielbereich.
Susi kam dann tatsächlich, so wie Rosti vermutet hatte, im Bereich von 12 h an und Abends sind wir zu dritt noch Essen gewesen.
Der harte Teil der Aktion stand noch bevor, die Heimreise. Hatte mich um 21 Uhr verabschiedet und auf ging es Richtung Fernpass. Bis auf die A7 hatte ich durchgehalten, es hatte teilweise extrem stark geregnet, war sehr anstrengend und so steuerte ich nach 2 h Autofahrt einen Parkplatz an, um eine Schlafpause einzulegen. Danach ging es mir deutlich besser und die verbleibenden gut 300 km vergingen einigermassen, abgesehen von diversen Platzregen, die nur geringe Geschwindigkeiten zuließen.
Genau um 3 Uhr heute Morgen bin ich vor die Garage gerollt und war sofort im Bett. Um 8 Uhr hat mich der Wecker freundlich eingeladen, auf die Arbeit zu gehen. Fühlt sich toll an, so ein 28-Stunden-Ötztal-Hauruckaktionsdings... Irgendwann werde ich da vielleicht auch mal ruhiger werden und eine komfortable Pensionsübernachtung den wenigen Stunden Schlaf in einem Auto vorziehen.
Alles in Allem hat der Aufwand und der Zeitstress sich gelohnt, mir hat es Spaß gemacht, mit vielen anderen Gleichgesinnten unterwegs zu sein und zu erleben, was das Besondere am Ötztaler Radmarathon ist.
Die Beine waren gut genug, die Belastungen während der Vorwoche (17-18 h, 450 km mit 5.000 hm) waren optimal, nur habe ich gemerkt, dass es halt nützlich wäre, ein paar mal im Jahr richtige Berge zu fahren, um diesem Viech Timmelsjoch mindestens 30 bis 45 weitere Minuten abzuknöpfen.
Taktisch falsch war ganz klar meine Fahrerei im Inntal und am Brenner. Da habe ich sinnlos Kraft verschleudert. Aber es war halt schön und wenn ich dran denke, wie ich beim Forumsötzi kaum mal über 30 km/h kam und selbst hinten in der Gruppe ab Matrei schwer zu leiden hatte. Da war das gestern schon geil. Über lange Abschnitte deutlich über 35, oft eine 4 vorne dran. Das war einfach gigantisch. Da habe ich halt vergessen (wollen?), wie weh das später noch tun wird.
Insgesamt muss ich auch sagen, dass ich mich am TJ irgendwie psychisch selber limitiert habe. Das Orientieren an den Radfahrern aussenrum bringt auch nicht immer was. In manchen Passagen dachte ich mir, OK, die fahren auch nicht schneller, warum soll ich Gas geben? Es wäre oft noch was gegangen, aber ich hatte dann Angst vor mir selbst, glaube ich.
Daten (für das nächste Mal...)
Die Fahrzeit brutto war ziemlich genau 10:30 h
Reine Fahrzeit hatte ich 9:55 h, d.h. wenn ich nirgendwo hätte anhalten müssen bzw. Laben zum Wassertanken anfahren hätte können, dann wäre das mit < 10 h brutto gar nicht so unrealistisch gewesen. Was habe ich in der Zeit getrieben?
Sicherlich 5 Minuten gehen auf die Umpackgeschichte vor Ötz, inklusive Laternenpfahl nass machen. Ich bekam am Kühtai Suppe, die hat eine Weile gebraucht, bis sie vertilgt war (3 Minuten). Ein paar hundert Meter weiter, da bin ich zum Jackeanziehen doch noch stehengeblieben - wollte erst darauf verzichten und dann aus Angst, das in der Abfahrt zu tun, halt noch ein weiterer Stop. In dem Zusammenhang nochmal wertvolle Minuten, da ich die Jacke zweimal anziehen musste wg. Verhedderung mit den Handschuhen (3 Minuten).
Am Brenner habe ich den Labebereich besucht wg. Klamottenwechsel und Umpacken von Esswaren (4 Minuten).
Und dann war da noch der Jaufen, wo ich das kleinere Übel mit dem Fussballen hatte, mal pinkeln musste und im Stand gegessen hatte, da ich mir das für die Abfahrt nicht zutrauen würde (5 Minuten).
Dann habe ich gleich nach St. Leonhard nochmal 5 Minuten verloren (sogar im Tacho dokumentiert) wg. Getränkeumfüllerei, Umziehen und Essen im Stand (unnötig, hätte gut im Fahren erledigt werden können). An der Quelle vor der Labe dann noch ein Flaschenfüllstop, den ich gemütlich angehen lassen musste (warten, bis ich dran war; Wasser kam nur spärlich aus dem Hahn; 5 Minuten).
Oben nach dem Tunnel, da habe ich ein Schwätzchen mit den Moppedfahrern gehalten und eine Dose Red Bull im Stand getrunken und meine Klamotten angezogen (5 Minuten).
Zeiten in den Abschnitten (alles netto):
1. Sölden - Ötz: 0h 48'
2. Ötz - Kühtai: 1h 26'
3.1 Kühtai - unterer Kreisverkehr im Inntal: 0h 32'
3.2 Kühtai - Messstreifen Innsbruck (Brenner): 0h 53'
4. Messstreifen Innsbruck - Messstreifen Brenner: 1h 19'
5. Brenner - Messstreifen Jaufen unten: 0h 33'
6. Messstreifen Jaufen unten - Messstreifen Jaufen oben: 1h 25'
7. Messstreifen Jaufen oben - Ortsende St. Leonhard: 0h 37'
8.1 Ortsende St. Leonhard - Moos: 0h 34'
8.2 Ortsende St. Leonhard - Messstreifen Timmelsjoch: 2h 18'
9. Messstreifen Timmelsjoch: 0h 38'
Summe aller Auffahrten: 6h 28' (netto)
Summe aller Abfahrten: 3h 29' (netto)
Summe der Pausen/Stops in den Auffahrten: 0h 32' (Details siehe oben)
Summe der Pausen/Stops in den Abfahrten: 0h 3' (Kühtai, gleich zu Beginn der Abfahrt)
Leistungsrechnerei:
Die Wattleistungen sind auf Basis 95 Kilo Systemgewicht (eher konservativ abgeschätzt) gerechnet. Verwendet habe ich ein Tool von
1. Kühtai: ca. 250 Watt Leistung, davon Steigungsleistung ca. 220 Watt
2. Brenner: ca. 290 Watt Leistung, davon Steigungsleistung ca. 145 Watt
3. Jaufen: ca. 220 Watt Leistung, davon Steigungsleistung ca. 200 Watt
4. Timmelsjoch: ca. 185 Watt Leistung, davon Steigungsleistung ca. 165 Watt
.
Mittwoch, 23.08.2006
Rennsteigcross
Einleitung
Die Idee für das Durcheinander stammt von papajoe aus dem "Rosa Forum", sein Projekt heißt "R1x - der lange Kanten". Die Befahrung des Rennsteigwanderwegs mit Eingang-MTB von Blankenstein nach Hörschel. Am Stück. Selber wollte ich an diesem Termin auch eine lange Tour fahren, bei der Aktion mitzumachen hat sich also angeboten.
Blankenstein, wie komme ich zu dir?
Nach Hörschel kommt man von überall hin. Nach Blankenstein auch. Der kleine Unterschied ist nur die Reisedauer. Herr Mehdorn verspricht mir Reisezeiten von fünf bis sieben Stunden. Und zwar so elegant in der Nacht plaziert, dass es dümmer nicht mehr geht. Das eigene Auto fällt auch aus, der Rennsteig ist keine Rundtour. Wie weit komme ich in sieben Stunden mit dem Fahrrad? Habe kurz im Vatertagsbericht 2005 (auch hier im Blogg) gekramt und festgestellt, dass ich mit einem 22er Schnitt kalkulieren sollte. Und das passt dann auch, die KFZ-Routenplanung ergibt etwa 130 km kürzesten Weg, ich schlage 10% auf und müsste dann mit etwa 6,5-7 Stunden rechnen.
So wollte ich fahren: Gochsheim - Weyer - Mainbrücke - B303 bis Abzweig Hafenpreppach (48 km) - Unterelldorf - Rothenberg - Seßlach - Watzendorf - Ziegelsdorf - Scherneck - Untersiemau - Niederfüllbach b. Coburg (75 km) - Grub a. Forst - Friesendorf - Großgarnstadt - Bieberbach - Zedersdorf - Weickenbach - Wörlsdorf - Schwärzdorf - Neundorf - Bächlein (96 km) - Haig - Gundelsdorf - Friesen - Roßlach - Zeyern (113) - B173 bis Abzweig Schnappenhammer/Wolfersgrün - Geroldsgrün - Bad Steben - Lichtenberg - Blankenstein (145 km)
Die Strecke war gedanklich zweigeteilt, bis Coburg kannte ich mich leidlich aus, ab Coburg dann komplett unbekanntes Terrain für mich. Die Summe der Höhenmeter hatte ich mit etwa 1.500 bis 2.000 abgeschätzt.
Weiter war unbekannt, was Nachts auf einer Bundesstrasse los ist. Für die ersten 50 km auf der B303 hatte ich schon ein mulmiges Gefühl bei der Entscheidung, so vorzugehen. Der Chance, schnell Raum zu gewinnen und sanfte, lange Steigungen gegen die üblichen ruppigen Dinger einzutauschen habe ich dann doch nachgegeben. Was mich auf der B173 erwartet, das wusste ich eh nicht, aber die Distanz dort war mit 10 km übersichtlich und es müsste dann auch schon hell genug sein, um ggf. einen parallel verlaufenden Radweg nutzen zu können, falls zu starker Verkehr wäre.
Üblicherweise wäre die Tour klassisch ein Fall für die Regenausrüstung, ich kenne mein Wetterglück. Da ich die Tour nicht "erfunden" hatte und mein Herz nicht schon seit Tagen am Gelingen hing und Alternativen vorhanden waren, kam es matürlich viel besser als erwartet. Die Vorhersage war freundlich, die Temperaturen der Nacht von Donnerstag auf Freitag mild und für Samstag Nacht war sternenklarer Himmel vorhergesagt. Samstag selbst sollte es bis 25° C haben, prima!
Die lila Gurke bekam Schwalbe Sport CX Pro verpasst (sowas wie Crossreifen für 26"), Licht vorne und hinten und Reflektorstäbchen in die Speichen. Luftdruck 6,5 Bar. Mehr vertragen die Reifen angeblich nicht. Ach ja, ein zweiter Flaschenhalter kam noch dran, eine kurze Rahmenluftpumpe und ein Tachometer. Neben diesen Kleinigkeiten natürlich noch die Umrüstung von reinrassig 42/15 auf Zweigang! Hinten fix das alte Dura-Ace Schaltwerk anstelle des Einfachkettenspanners, eine längere Kette und am Spider innen ein altes 32er Blatt zusätzlich zum 42er Stronglight. Bis Blankenstein soll 42/15 laufen, danach dann bis Oberhof weiter mit 32/15. Dann wieder die dicke Übersetzung. Gewicht ca. 11 Kilo.
Kurz/kurz mit Knielingen, Armlingen, Sommersocken und Handschuhen war beschlossene Sache. Weste noch dazu. MTB-Schuhe, Helm, Brille. In den Rucksack kam das Kartenmaterial (Shell Regionalkarten 1:150.000 Blätter 11 und 12), ein zweites Roadbook, Geld, Werkzeug, Ersatzschläuche, eine Jacke. Der restliche Platz wurde mit Brot, Obst, Wasser und Riegeln/Gel aufgefüllt. Systemgewicht komplett etwa 100 Kilo.
Wie geplant bin ich um Mitternacht daheim fort gekommen, nicht so wie 2005, als ich eine Stunde unnötig verloren hatte. Ich habe das noch gut in Erinnerung, was ich damals für Stress hatte. Nach nicht einmal einer halben Stunde war das Maintal erreicht und die Brücke überquert. Die B303 befand sich unter den schmalen Stollenreifen. Die ersten Autos kamen entgegen und überholt wurde ich auch gleich. Etwa 40 km Strecke auf der Bundesstrasse lagen vor mir, der Mond ging auf und die schmale Sichel war gut zu sehen, eine prima Orientierungshilfe sollte mir la Luna die nächsten Stunden geben. Leider war der Verkehr dicht, viel zu dicht. Im Gegenverkehr kamen sicherlich mehr als hundert Fahrzeuge, in meiner Richtung waren es ein paar Handvoll, die zum Glück mit viel Sicherheitsabstand überholten. Nach anfänglicher Skepsis, ob Radfahren auf einer Bundesstrasse sinnvoll ist, muss ich sagen, es hat sich gelohnt gehabt, wertvolle Zeit habe ich auf dem Abschnitt dadurch gutgemacht.
Nach gut zwei Stunden musste ich die B303 verlassen und mich Richtung Seßlach orientieren. Das Städchen war unproblematisch zu finden, dafür war das Finden der richtigen Durchfahrt etwas heikel, aber Nachts um halb zwei Uhr kam ein mäßig Besoffener um die Ecke (auf einem unbeleuchteten Baumarktfahrrad) und hat mir den Weg erklärt. Nett, der Kerle, aber seltsamer Dialekt. Weiter ging es Richtung Untersiemau und eine Baustelle mit Umleitung zwang mich zu einer intuitiven Richtungsänderung, ich hatte Glück und die Route wurde dadurch sogar etwas kürzer. Ich war ein paar km vor meiner Planung. Sehr gut.
Ein Hanuta verschwand im Bauch und getrunken habe ich nur wenig, es war frisch, etwa 8-10° C, je nach Topografie. Da kam kaum Verlangen nach Wasser bzw. Tee bei mir auf.
In Untersiemau war der Breitengrad von Coburg erreicht, nun musste ich irgendwie nach Niederfüllbach kommen, das liegt wieder an der B303 und von dort aus musste ich mich immer brav nördlich dieser Höhe halten. So der Plan. Leider habe ich nicht gleich die richtige Abzweigung erwischt und musste einen Boxenstop zum Kartenstudium einlegen. Dabei kam dann ein gröberes Grumeln aus der Magengegend, ich hatte nicht nur zu wenig getrunken sondern auch recht wenig gegessen. Zwei halbe Brote später und mit der passenden Richtung im Kopf ging es als korrekt nach Niederfüllbach.
Abschnitt 2: bis Blankenstein (Teilstück: 70 km, 1.300 hm - Summe: 145 km, 2.150 hm / alles Strasse / 3:30 bis 7:00 Uhr)
Grub am Forst war ausgeschildert, zwei Kilometer auf der B303 und ich war weg vom Strassenverhau rund um Coburg. Die nun gelisteten Ortschaften waren ohne Schwierigkeiten zu finden, es ging über Landstrassen und schmale Ortsverbindungsstrassen immer weiter nach Osten, dem Mond entgegen. Schade, dass ich mich mit Sternbildern nicht auskenne, so viele Sterne! Und ein paar Sternschnuppen konnte ich auch erhaschen. Da soll man sich dann was wünschen, klar, ich habe mir einen schönen Tag gewünscht. Was sonst.
Die Route war sehr direkt geplant und deshalb auch ziemlich hügelig, es ging dauernd hoch und gleich wieder runter. Mancher Anstieg war schön zu fahren, mancher aber auch ruppig und ich war froh, dass die Dunkelheit keinen weiten Blick voraus erlaubt hat. So war das viel besser für meine gute Moral. Die Gegend ist waldreich, die Strassen waren einsam, teilweise sehr schlecht. Objektiv wurde es kalt, nur noch 7° C stehen auf dem Tachodisplay. Subjektiv sah es anders aus. Normalerweise hätte ich bei diesen Temperaturen eiskalte Füsse. Erstaunlich, die Sommersocken in den MTB-Schuhen waren ausreichend. Ich habe nicht gefroren und sonst war auch alles im grünen Bereich. Im Winter bei der Temperatur fährt jeder mit Winterhose und dicken Schuhen rum, sozusagen alles relativ.
Nach 4 Stunden hatte ich etwa 90 km zurückgelegt, ich war noch im Plan, was Zeit und Strecke anging. Klar war mir aber schon auch, dass die Strecke immer schwerer wird und ich hatte daher recht bald angefangen, rumzurechnen, ob ich zeitig genug in Blankenstein ankommen würde. Eine Panne oder ein gröberer Verfahrer war auf jeden Fall nicht drin, den 22er Schnitt durfte ich nicht unwesentlich sausen lassen.
Dann wurde es wieder flacher, ich kam in die Gegend rund um Mitwitz und in einer Ortschaft überraschte mich ein gröberes Navigationsproblem, so dass ich zweimal halten und die Karte rausziehen musste. OK, ich war nicht müde, aber trotzdem irgendwie in einer Art Trance, die nicht gut für die Richtungsfindung war. Während der Kurzstops musste ich noch was essen und meine Trikottaschen mit weiteren Brothälften betanken, damit ich unter der Fahrt nachladen konnte. Die 5 Minuten haben ausgereicht, ich habe angefangen zu frieren, es war zwischen 3:40 und 4 Uhr morgens, vielleicht die kälteste Zeit. Die Senke, in der ich mich befand, war voller Nebel und ich war ziemlich durchfeuchtet.
Um weitere Rucksackaufundkarterausübungen zu vermeiden habe ich die Karte vorne unter die Weste gesteckt, nach unten konnte sie wegem dem Bauchgurt des Rucksacks nicht herausfallen. Das war wirklich praktisch im weiteren Verlauf.
Nach wenigen Kilometern dann ein Abzweig, ein gelisteter Ortsname. Ja, es passt, alles so, wie im Roadbook beschrieben. Erleichtert gebe ich Gas. Die Beine sind gut, die lila Gurke fährt mittlerweilen so, wie ich das will. Anfänglich hatte ich ein kleineres Umstellungsproblemchen, die Stollenreifen rollen halt doch nicht so prächtig und das wg. dem zweiten Kettenblatt montierte Schaltwerk (Der Einfachkettenspanner, der normalerweise montiert ist, der hätte den leichten Kettenschräglauf nicht verkraftet) bot auch mehr Widerstand wie die sonst bekannte Konfiguration. Die Sitzposition dazu noch etwas tiefer wie beim Renner, die Schenkel brannten während der ersten Stunden schon ein wenig, aber ich gewöhne mich da an allerlei, auf jeden Fall, die Maschine und ich, wir verstanden uns und die Zosse nahm Fahrt auf. Für einen Kilometer.
Wieder ein gottverlassenes Nest mitten in einer Ebene. Rein und gleich wieder raus. Auf dem Ortsschild steht, wo es als nächstes hingeht. Nein, da will ich garantiert nicht hin. Wo ist der Fehler? Karte raus, aha, irgendwo im Ort gibt es eine abknickende Vorfahrt. So ein Abzweig ist im Dunkeln halt alles Mögliche. Könnte auch eine Hofeinfahrt sein. Gut, wieder zurück und jawoll, es passt. Die nächsten Ortschaften liegen wieder in den Wellen und es geht mitten durch stockdunklen Wald, links und rechts die ersten Geräusche durch Tiere, ein bisschen unheimlich wirkt es auf mich.
Und plötzlich stoße ich auf eine übergeordnete Strasse, meine Richtung ist ausgeschildert, ich kann wieder Gas geben. Ein, zwei Kehren bergauf, fast eine alpine Anmutung macht sich breit und dann kommt eine schnelle Abfahrt. Ich kann jetzt schon ahnen, dass der Tag beginnt, die Konturen des Thüringer Schiefergebirges und des Frankenwaldes zeichnen sich gegen den Himmel ab.
Die nächste Ortschaft ist richtig hell erleuchtet, ich kann plötzlich ein Radwegschild mit Hinweis auf den direkten Weg zum eigentlich für mich übernächsten Ort sehen. Das würde mir etwa 5 km Weg ersparen. Riskieren? Ja. Das Experiment wurde belohnt, es war eine schmale Ortsverbindungsstrasse und kein gefährlicher Schotterweg oder sowas.
Dafür hatte ich keine Ahnung, wie ich aus dem Nest korrekt Richtung Friesen weiterkomme. Es war kurz nach 4:30 Uhr und es war wieder so weit. Anhalten, Karte raus, nachschauen. Plötzlich hält mehr oder weniger direkt neben mir am Gartenzaun ein kleines Auto. Prima, da kann ich fragen. Die Türe geht nicht auf, nichts tut sich. Komisch. Dann schnackelts bei mir. Ich würde auch nicht aussteigen wollen, wenn neben meinem Auto einer steht, der aussieht wie E.T. auf Suche nach dem Heimatplaneten. OK, ich habe die Arme ausgebreitet, so dass klar war, dass ich nichts böses im Schilde führe, laut und deutlich gesagt, dass ich eine Frage hätte. Und dann ging das Fenster ein Stückchen auf.
Drinnen eine Blonde und eine Schwarzhaarige. Diskoschnecken kurz vorm Wachkoma. Der Dialekt war eine Erlebnis, aber ich habe verstanden, mich höflich bedankt und siehe da, Friesen war ausgeschildert. Es war schon wieder ein kleines bisschen heller und nicht mehr die Lampe am Lenker zeigte mir den Asphalt, meine Augen konnten mit dem Tageslicht schon richtig etwas anfangen. In Friesen dann wieder ein Zwangsstop wegen der Navigation. Es waren einige Autos unterwegs, nur niemand wollte mir helfen. Schade.
Irgendwie bin ich dann doch in das richtige Tal rausgefahren und die grobe Richtung stimmte, der Mond war meine Absicherung. Es kam der Talschluss und es ging die östliche Flanke rauf, in Richtung Zeyern. Klasse, dieser Ort liegt direkt an der B173 und ich hatte ein gutes Gefühl.
So, da steht ein Schild mit 12%, kann nicht sein, das war so steil, das waren vermutlich 21%. Zumindest hat sich das so angefühlt. OK, Kraft sparen, runter vom Rad und ich bin lieber 5 Minuten bergauf gelaufen. Ist ja keine Schande.
Bergab war es ungefähr genauso steil, die Gabel der lila Gurke machte wilde Bocksprünge, das beliebte Gabelvibirieren beim Betätigen der Crossbremse in Verbindung mit Feuchtigkeit auf dem Bremsbelag machte sich übel bemerkbar. Hoffentlich bricht mir das Ding im Laufe des Tages nicht ab, dachte ich.
Unten angekommen dann die Bundesstrasse, sogar mit begleitendem Radweg. Den ließ ich ausser Acht, lieber schneller vorankommen und nicht irgendwelche Haken durch das Rodachtal schlagen, blos weil es hübsch aussieht. Meine Kopfrechnerei sagte mir, dass ich Gas geben müsste, es deutete sich eine leichte Stresssituation wegen der Zeit an, die mir noch bleibt. Nach einigen Kilometern sehe ich ein Schild. Steinwiese steht da drauf ausgeschildert. Habe ich schon mal irgendwo gelesen, davon, dachte ich. Und bin weiter vorwärts. Dumm gelaufen, an der Stelle hätte ich nämlich die B173 nach Norden verlassen müssen. Das habe ich mehr als 5 km später bemerkt, als mein Roadbook nicht mehr gepasst hat. Vorher bin ich aber geschickterweise nochmal rechts ran, essen und Wasser auffüllen. Hätte ich da in die Karte geschaut, dann hätte ich sinnvoll noch wenden können. OK, leichte Panik macht sich breit. Kartenstudium, wie komme ich jetzt nach Norden, ich muss Geroldsgrün anpeilen.
Es stellte sich dann als halb so wild raus, effektiv war der Verfahrer kein wirklicher Fehler, denn die Etappe bis Blankenstein war genauso lang wie vorhergeplant.
Ob die andere Version kraftsparender war, dass weiß ich nicht, aber es kann schon gut sein. Denn ich habe bis nach Geroldsgrün derb viele Höhenmeter vor mir gehabt. Es ging also weg von der Bundesstrasse, ein superschönes, enges Tal. Zur Feier der Problemlösung habe ich einen Schokoriegel verputzt. Kann man eh nur essen, solange es kalt ist. Herrlich, wie die kleine Strasse in das Tal hineinführt. Jahahaaaaa... Boing. Aus die Maus mit herrlich. Es kommt eine Kehre. Ja wo kommt die denn plötzlich her? Talschluss, na ja, wird halt ein wenig den Buckel raufgehen wie den ganzen Morgen schon. Nicht weiter schlimm, war meine Meinung.
Nach zwei oder drei Kehren habe ich mit der Strassenübersetzung einfach die Kurbel nicht mehr rumbekommen. Na ja, ich kann ja "schalten", also runter vom Rad und die Kette auf das kleine Blatt aufgelegt. Eine Wohltat. Nur, nach zwei weiteren Kehren war ich halt schon wieder im Wiegetritt und dann kam Wolfsgrün. Ich habe keinen Schimmer, wie steil das war, aber es hat mir gereicht. Rechts, mitten im Ort, ein Bushäuschen. Da stehen ein paar Bauern und warten drauf, dass der Milchlaster kommt. Gut, keine Blöße geben, freundlich "Guten Morgen!" rausgequetscht und die Kurbel vorne locker runterfallen lassen. Von hinten kam sie ja eh quasi von alleine. Uiuiui. Das war nicht von schlechten Eltern. Diese Auffahrt hat sich angefühlt wie das letzte Stück vom Nufenen.
Oben angekommen war dann Geroldsgrün ausgeschildert und es ging wellig auf der Höhenlage dahin. Das 32er Blatt habe ich weiter gekurbelt, ich wollte die Beine damit wieder locker fahren. War schlau, denn die Wellen waren teilweise zäh und es war schon angenehm, hochfrequent fahren zu können.
Die Sonne kommt mir entgegen!


Geroldsgrün kam und dann aber hastig in die Eisen. Es geht nach links eben weiter und nach rechts steil bergab rein in den Ort. Lieber einen Blick in die Karten machen, ein unnötiger Höhenverlust wäre ungünstig. OK, es geht sicher runter in den Ort. natürlich drüben wieder rauf. Aber das ist egal. Im Übrigen geht gerade die Sonne so richtig herrlich in voller Pracht auf, ich fühle mich gigantisch. Ist das ein toller Tagesanbruch! Ein Heißluftballon schwebt über den Hügeln, kommt nicht voran, es geht kein Wind.
Nun kommt eine flotte Abfahrt nach Bad Steben,der Bäcker hat offen, ich könnte noch schnell was einkaufen, die Zeit müsste noch reichen. Leider habe ich das nicht gemacht, wäre rückblickend besser gewesen. Dann geht es mit 9% weiter bergab, die Strecke kenne ich plötzlich! Richtig, hier war ich 2003 oder 2004 schon mal, beim letzten Frankenhammer (Start ab Kronach) und unten im Tal, da war die Verpflegung. Damals wusste ich noch nicht, dass ich unweit des südöstlichen Rennsteigendes unterwegs war.
Es kommt der 160 m hohe Abluftkamin der Fabrik in Lichtenberg.

Dann noch ein kurzes Stück, ich bin in Blankenstein, es ist wenige Minuten vor 7 Uhr. Pinguin hat sich just in time selbst abgeliefert. Puuuuuh... Nur ist leider kein Bäcker oder ähnliches in meiner Nähe, weiter im Ort rumsuchen möchte ich jetzt nicht. Gut, dann gibt es eine Banane und Brote zum Frühstück, Wasser dazu. Zugegeben, eine arge Notlösung, ein Kaffee wäre schon fein jetzt.
Ich mache Bilder und baue mein Fahrrad um, die Beleuchtung usw. kann im Rucksack verschwinden. Es ist immer noch empfindlich kalt, ich gehe durch das kleine Bahnhofsgebäude durch und setze mich auf eine sonnige Bank.






Die nahegelegene Schranke macht zu, es bimmelt, der Zug mit meinen Mitstreitern für den nächsten Abschnitt fährt pünktlich ein. Der Zeitstress ist von mir abgefallen und ich überlege nun noch kurz, wie das Verhältnis der Leistungen zueinander sein wird, wie verkrafte ich die Vorbelastung und wie komme ich mit dem anderen Untergrund zurecht?
Egal, aus dem Zug steigt ein langes Elend mit einem zu kalt gewaschenen Fahrrad und halt dann noch ein Durchschnittsmensch mit Standardhardware unterm Arm. Micha (fast dreissig Meter lang) und Martin. Angenehm! Schade, dass Felix nicht mit dabei war, ich hätte mich gerne mit ihm über den Leichtbauwahn unterhalten.
Abschnitt 3: ab Blankenstein bis Bhf Suhl bzw. Bhf Schweinfurt (Teilstück: 113 km [davon 55 km off-road], 1.800 hm - Summe: 258 km, 3.950 hm / 7:30 bis 16:00 Uhr)
Wir sind runter an die Selbitz, haben Steinchen rausgefischt, ein Foto von uns gemacht, wobei das gut und gerne das letzte Foto der Digicam hätte sein können (VW-Bus knapp dran vorbei) und dann ging es um etwa 7:30 Uhr mehr oder offiziell los auf die Rennsteigwanderwegbefahrung mit eingängigen Fahrrädern. Von vorneherein habe ich mich intensiv mit der Anreise nach Blankenstein beschäftigt. Die Vorbereitung auf den Abschnitt danach bis Oberhof, die wollte ich während der Nacht so als Beschäftigungstherapie machen. Leider ging das nicht, da ich sehr viel mehr Navigationsaufgaben wahrnehmen musste, als mir lieb war. Ich war irgendwie nicht richtig gedanklich dabei, bei dem off-road Teil der Strecke.
Startpunkt und Material.


Im Ort war es eh so steil, dass wir geschoben hatten, danach ging es dann recht moderat los und die Jungs mit ihren dickbeschlappten Rädern hatten Spaß mit den ersten Forstwegen. Meine Oberschenkel waren angeschlagen, schon die ersten paar hundert Meter abseits des Asphalts fühlten sich nur komisch an, ich wäre gerne flüssig auf der Strasse weitergefahren, meine Beine konnten dem dauernden Rhythmuswechsel nichts rechtes abgewinnen.
Das ging Kilometer so dahin und ich war eh immer das Schlusslicht und was soll ich sagen, es war mir eigentlich egal. Nach vielleicht 30 Kilometern hatte ich genug, 35 mm breite Crossreifen auf 26" Felgen in Verbindung mit Rennradlenker und einer seltsamen Gabel machen auf dem Wurzelgehoppse leider keinen Spaß.
Das Rad ist eher für Rennradfahren im Wald gedacht und das konnte ich durchaus haben, ich trennte mich von Micha und Martin, sie fuhren die Wurzeln, ich den Chickenway, den Radwanderweg. Wir sahen uns dann drei oder vier Mal wieder, teilweise bin ich dann doch wieder in die Wurzeln mit rein, aber nur, um festzustellen: Das ist nix.
Die beiden Pausen (Steinbach am Wald, Neuhaus am Rennweg), die machten wir gemeinsam und als wir um 11:30 Uhr die zweite Pause machten und erst 50 km rum waren, da kamen mir erste Zweifel, ob M&M das zeitlich bis nach Hörschel packen. Fitness war da, Wille auch. Blos, was ist mit dem Licht?
Unterwegs...


In Spechtsbrunn ging es hoch, auf den Roter Berg. Im Ort, auf dem Asphaltstück, da konnte ich noch fahren, aber dann, ausserhalb der Ortschaft, da ging bei mir erstmal gar nichts und ich schon den Weg entlang und da schaue ich so durch die Gegend und siehe da, Blaubeeren überall. Da konnte ich nicht widerstehen, ich habe eine halbe Trinkflasche voll gesammelt und die Beeren sozusagen getrunken und gegessen mit der Flüssigkeit zusammen, die noch in der Flasche war. Lecker.
Oben am Waldrand habe ich zurückgeschaut und tatsächlich, der Kamin von Lichtenberg war zu sehen! Weiter rein in den Wald, es geht ungemütlich ruckelnd über einen stark steinigen Forstweg und ich denke mir nichts böses, da kommen M&M von hinten angeschossen und wir fahren bis Neuhaus am Rennweg gemeinsam.
Der Blick zurück, ich weiß, wo der Kamin ist...

Dort lagern wir mehr oder weniger mitten auf dem Parkplatz und schlichten wild durcheinander essbares in uns rein. Ein weiteres Blankenstein-Hörschel-Team (zwei Mädels und ein Kerl) kommt auch auf den Parkplatz, wir hatten uns schon beim ersten Einkaufsbummel gesehen.
Die Jungs müssen weiter, sie auf den Wurzeln, ich auf dem Radweg und nachdem der Rennsteigweg die Strasse bei Scheibe Alsbach überquerte, da schlug ich mich nach einer schnellen Abfahrt nach rechts auf eine richtige Forstautobahn, der Goldweg war ausgeschildert. Ich kannte den Namen und wußte, dass ich grob Richtung Pumpspeicherwerk Goldisthal unterwegs war. Perfekt, da wollte ich schon lange mal hin.
Das letzte "R" des Tages für mich.

Zunächst lief es auf dieser feinsandigen, breiten Piste wie wild bergab, ausgeschaut hat es dort, als ob links oder rechts gleich russische Panzer aus dem Gebüsch brechen würden, überall lagen verrostete Fässer rum und wenn das mal ein Truppenübungsplatz gewesen sein sollte, wundern täte es mich nicht. Die Piste war zu Ende, auf der Strasse ging es weiter und zwar stetig bergan, bis ich an der Abzweigung zum Oberbecken des PSW war. Hier hatte ich dann die Karte gecheckt und ja, es geht runter bis auf 450 m ü.NN und gleich wieder hoch, an der Massamühle vorbei rauf nach Gießübel, was wieder am Rennsteig liegt.
Blick auf den Rand des Oberbeckens, gleich geht es für 5 km mit 9% bergab!

Blick rüber nach Masserberg (auf dem Rennsteig)

Das Massathal, die Massamühle und ein U-Boot!



Den Rest der Strecke bin ich dann oben geblieben und habe die schmale Teerstrasse unter die Räder genommen und auch genossen. Kein Vergleich mit den breiten Strassen vom Beginn.
Einmal bin ich eingekehrt, habe Gulaschsuppe und Kaffee zu mir genommen und die Sonne aufgesaugt, es war wie ein kleiner Urlaub für mich. Keine Eile, alle Zeit der Welt, kein Streß. Müde war ich auch nicht.
Danach hat es dann noch für einen kleinen Fight mit einem übermotivierten Radwanderer gereicht, er konnte nicht so recht mithalten und mir hat es Spaß gemacht, mich wieder auszubelasten. Ich war kurz davor, die Kette wieder auf das 42er Blatt zu heben, aber andererseits gab es schon immer schöne Wellen und das schnelle Treten liegt mir, flott genug war ich so auch unterwegs.
Das Abschlussfoto am Obelisken, zufrieden bei etwas unter 260 km Strecke und fast 4.000 hm.

Abschnitt 4: ab KFC Schweinfurt bis nach Hause (Teilstück: 42 km, 40 hm - Summe: 300 km, 3.990 hm / alles Strasse / 18:20 bis 20:00 Uhr)
Nach der Fastfoodorgie wollte ich die Zugfahrt irgendwie los werden und ruhig ausfahren. Das Stehen im Zug und die stickige Luft, das hatte mir überhaupt nicht gut getan. Also habe ich eine halbe Hausrunde am Main entlang auf die etwa 260 km, die der HAC4 festgehalten hatte, draufgesattelt und war zufrieden. Das Wetter war in Gewitterstimmung, die Luft sehr mild und wenig war los auf den Strassen. Die Kilometer flogen so dahin, ein paar Höhenmeter waran auch noch drin und schon war ich wieder zu Hause. Nicht sonderlich müde, eher leicht matt und sehr zufrieden mit mir und der Welt.
Ernährung
Vor der Abfahrt: Streuselkuchen, Kaffee, 0,3 Liter Obstsaftschorle
Mittagszeit: 1 Apfel, 2 halbe Brote (wie oben), etwas Schokolade, 0,3 Liter Saft-Molke
früher Nachmittag: 1 Mars, halbe Tüte Gummibärchen, 0,3 Liter Traubensaft
Nachmittag: 1 Gulaschsuppe, 1 Milchkaffee
Spätnachmittag: 0,3 Liter Orangensaft, 2 halbe Brote (Wurst/Käse), Gummibärchen
Abendessen 1: Aprupter Einfall bei KFC (erstmalig "kennengelernt"). Ein Menü mit irgendwas vom Huhn und scharf, 1,3 Liter Cola-Wassergemisch
Abendessen 2: Nudeln mit viel Gemüse, 1 Liter Obstsaftschorle, 1 Liter Radler
Der leidige Durchschnitt
Nicht wichtig für den Moment, aber wichtig für neue Tourenplanungen. Und deshalb wird der Schnitt doch dokumentiert...
Strasse brutto: 20,5 km/h (248 km mit 12,1 h)
Im ersten Segment bis Blankenstein wurde mit etwa 21 km/h die Zeitvorgabe nur knapp verpasst, einzig die Navigation war stellenweise zeitraubend, Pausen wurden keine gemacht.
Das Strassensegment zwischen Neuhaus am Rennweg und Suhl (ca. 61 km mit 3,5 h) war geprägt von zwei längeren Pausen, deswegen der extrem geringe Schnitt. Für Planungen nicht weiter relevant.
Die halbe Hausrunde am Schluss (42 km mit 1,6 h) liegt im üblichen Jahresmittel, uninteressant.
Gelände brutto: ca. 9 km/h (50 bis 55 km mit 6,1 h)
Ebenfalls nicht aussagekräftig für andere Touren, der Geländeanteil an der Gesamttour ist zu gering, ausserdem fand ich während der ganzen Zeit keinen wirklichen emotionalen Zugang, ich war nicht richtig bei der Sache im Gelände und das dafür falsch bereifte Fahrrad trug seinen Teil dazu bei.
M&M haben ihre Berichte natürlich auch gemacht, mit vielen Bildern und viel Passion. Schaut doch mal hier http://forum.eingangrad.de/thread.php?threadid=7852&page=3 Viel Spaß beim Lesen!
Donnerstag, 30.03.2006
Tälerrunde ab Tauberbischofsheim
Der spontane Gedanke meines Radlkumpels Widu, mal eben schnell im März eine 300er Grundlagenaufbaurunde ab Tauberbischofsheim zu fahren, der viel bei mir gleich auf fruchtbaren Boden. Ein Termin war schnell gefunden, das letzte Märzwochenende sollte es sein.
Aus lauter Frust über das Wetter im Januar schlug ich dem Pinguin via Mail vor, diese Runde anzugehen. Zum Einen wollte ich schon lange mal diese Runde in Angriff nehmen, zum Anderen reizte mich die Herausforderung eine solche Strecke mit dem Eingänger und zu dieser Jahreszeit zu fahren. Der Vorschlag wurde nahezu sofort angenommen. Die Terminabstimmung erwies sich als relativ einfach. Im März oder Anfang April (als Ausweichtermin) ist noch weniger los.
Das bisherige Winterwetter war kalt und die Märztage waren mit Temperaturen zwischen dem Gefrierpunkt und seltenen zweistelligen Plusgraden nicht gerade frühlingshaft motivierend. Dazu dann noch eine zünftige Menge Regen. Irgendwie nicht so richtig die Bedingungen, die man sich wünschen würde. Da es am Freitag Abend nochmal richtig zuzog und zumindest in TBB Regen runter kam, wurde von Widu Plan B ausgegraben - ich soll doch zusätzlich zum Rennrad das MTB einpacken. Klar, wenn es regnet, dann könnte es im Wald auch ganz nett sein. Wollen wir aber mal sehen, wie die Geschichte ausgeht.
Meine Autofahrt dauerte um die nachtschlafende Zeit - die Strassen waren trocken oder nur wenig feucht - nicht mal eine Stunde und so hat die Zeit noch für ein gemeinsames Frühstück bei Widu und seiner C. gereicht. Die Monstergatze war auch mit von der Partie. Wir haben uns verplappert, dann noch eine Weile wilde Schlüsselsucherei vom Hausherrn.
Das Loskommen gestaltet sich mal wieder etwas schwieriger: ich habe meinen Schlüssel verlegt und springe somit in Radelklamotten aufgeregt durch die Wohnung. Die Verspätung war mir eigentlich egal. Wir würden den ganzen Tag auf dem Rad sitzen, da kann man sich auch ein bisschen Zeit lassen, dennoch ärgert mich es, wenn sich mein Schlüssel schon wieder versteckt.
Aber trotz aller Gemütlichkeit, am besagten Samstag Morgen ging es dann halt doch um etwa dreiviertel sieben Uhr los auf unsere Tour. Leider gleich der erste Regenguß. Wir hatten uns doch für die Rennräder entschieden. Mein Gefährt war das da.

Ein Gang - wie immer halt. Widu ist was "ähnliches" gefahren. Zumindest die Entfaltung war annähernd gleich. Über den Rest breite ich den Mantel des Schweigens...
Es ist hässlich, leider zu klein und durch den dämlichen Vorbau etwas unruhig zu fahren. Egal, es geht um Radeln und nicht um eine Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb.
Tauberbischofsheim verließen wir also im Sprühregen bei 9 Celsius auf dem Radweg in nördliche Richtung. Erstes Etappenziel an der Tauber war Wertheim. Bis dorthin waren wir fast alleine auf den Strassen, der Regen hatte nachgelassen. Insgesamt habe ich mich richtig wohl gefühlt und das Palavern mit dem Hühnerhabicht läßt die Kilometer nur so verfliegen. Ab Wertheim folgten wir dem Main, das erste Mal kommt der Wind von vorne, teilweise lugt die Sonne hervor. Schwäne sitzen auf den Feldern und suchen sich ihr Frühstück. Etwas Verkehr kommt auf die Landstrasse.
Fahrräder und Fahrer sind schon ziemlich dreckig und die Füße sind trotz Überschuhen reichlich naß, aber nicht zu unangenehm kalt. Widu sieht das etwas kühler, mir taugts. Es gibt schöneres, aber es ist nicht wirklich nervig. Diesen Streckenverlauf kenne ich von einer anderen Tour her - manche Erinnerung an den damals unglaublich heißen 5. August 2003 werden wach. Was für ein Wetter war das damals!
Wir kommen nach Miltenberg, unser Dreckzustand nimmt noch weiter zu dank diverser Baumaßnahmen an Radwegen und Strassen. Ab Miltenberg verlassen wir das Maintal. Es geht Richtung Amorbach. Etwa 70 km sind zurückgelegt und zwischendurch mache ich mal ein Guckerle auf die aufsummierten Höhenmeter. Was für ein Spaß! 90 Höhenmeter auf diese Strecke. Unsere Blasentätigkeit ist vom vielen Wasser rundrum fein angeregt, wir gehen immer passend zeitgleich vom Rad und gießen die Büsche. Das kann nicht nur am Frühstückskaffee aus dieser unglaublich phantastischen Kaffeemaschine liegen.
Der Höhenmesser verkündete stolze 90 HM bis nach Miltenberg. Ich war erstaunt, dass es doch so wenig sind. Die Strecke an den Flüsschen entlang wellt sich ein bisschen. Über das viele Palavern hinweg bemerke ich die Kilometer kaum. Es hat aufgehört zu regnen und in Mondfeld entledigen wir uns der Regenrüstungen. In Miltenberg verkündigt mir der Blick auf die Uhr, dass wir knapp eine Stunde hinter dem erwarteten Zeitplan liegen. Beim Hochrechnen bemerke ich, dass wir somit viel zu spät dran sind, um die 300km zu einer angemessenen Zeit voll zu bekommen. Ich sage erst mal nichts dazu. Im Hinterkopf habe ich, dass wir jederzeit im Jagsttal abbrechen können.
Amorbach ist bald erreicht, wir müssen an der Bahnschranke einen Zug abwarten. Widu merkt, dass er einen Platten hat und er wechselt den Schlauch im Regen. Jetzt sind auch seine Patschhändchen dreckig. Ein stimmungsvolles Gesamtbild entsteht. Nach Amorbach regnet es stärker, aber nicht so schlimm, es geht ja jetzt in die Hügel und uns wird da schon warm werden. Der Talwechsel an den Neckar steht an. Die Steigung zieht sich gleichmäßig über einige Kilometer dahin, der Anstieg läßt sich auch eingängig schön fahren, ich bin die 45er Trittfrequenz gut gewöhnt, Widu würde zwar gerne flotter treten, aber der Anstieg läßt es halt nicht zu. Das Tal ist malerisch und richtig romantisch. Wie das wohl im Frühjahr und Herbst aussieht?
Der Anstieg aus dem Tal hinaus zieht sich hin und endet in Pinguins beschriebenen 45 Umdrehungen pro Minute. Da ich erst kürzlich die Übersetzung auf Pingus Verhältnisse von 46/19 auf 46/17 geändert habe, fällt mir der Aufstieg hinreichend schwer.
Der Talschluss hält noch einiges an Schneeresten links und rechts der Strasse für uns bereit, der Dunst wabbert durch die Wälder, überall wird Holz gemacht. Oben angekommen (Hesseneck nennt sich die Lokation wohl) geht es sofort in die Abfahrt runter nach Eberbach. Wir haben unseren Spaß beim wechselnden Überholen aus dem Windschatten heraus und erreichen unter heftigem Strampeln sogar eine Höchstgeschwindigkeit von sagenhaften 60 km/h. Es wird flacher, jedoch rollt es immer noch fast von alleine. Am Strassenrand sind Jugendliche und Erwachsene damit beschäftigt, Krötenschutzzäune aufzubauen. Die schuften ganz schön.
Anstatt einfach nach der Steigung gemütlich runterzurollen, haben wir richtig reingetreten und uns gegenseitig zu höheren Geschwindigkeiten ermuntert. Dumm sind nur die nassen Kurven (es regnet immer noch), die zu einer vorsichtigen Fahrweise zwingen. Die Krötenzaunaufsteller sind klasse. Teilweise feuern sie uns an, während wir an ihnen vorbei fliegen. Pinguin fragt mich nach der weiteren Beschaffenheit der Strecke, da er Hunger habe. Ich meine zu ihm, dass es bis nach Eberbach nur noch bergab gehe und wir doch dann dort beim LIDl halten können.
Ich bekomme langsam Hunger, eine Banane seit dem Frühstück reicht dann doch nicht bei den kühlen Bedingungen. Wir kommen nach Eberbach und Widu führt uns mit schlafwandlerischer Sicherheit zum Einkaufsparadies Lidl. (Meine C. studierte in HD. Den Lidl kannte ich noch durch die früheren Heidelbergfahrten.) Wir essen mitgenommene Brote und beim Lidl kaufe ich Batterien für die Kamera (Die Akkus waren halt wieder mal leer.) und noch ein Päckchen Landjäger oder sowas...
Meine zwei Paar Socken ziehe ich mal eben schnell aus und wringe das Wasser raus. Danach fühlt sich's schon nicht mehr so quatschig zwischen den Zehen an. Dann wieder auf's Rad - uns ist kalt, die Lippen sind blau, sagt Widu. Es geht durch den Ort runter an den Neckar und dann auf der breiten Strasse Richtung Süden. Der Wind fordert doch ganz schön, unter der Regenjacke wird es ungemütlich warm. Ein kurzer Stopp - Regenjacke aus, ein Photo machen und siehe da, die Sonne kommt raus. Dafür dreht der Wind jetzt ins Tal und gerade, während ich in der Führung bin, dreht er richtig schön auf. Aber auch die Sonne zeigt, was sie kann. Die Strassen sind trocken, es ist wunderbar warm, das Thermometer erzählt was von 16 Celsius. Toll! So kann es bleiben. Die Strasse schwenkt nach Südosten aus dem Wind und plötzlich läuft mein Radl wie von der Schnur gezogen immer schneller. Bei 40 km/h lasse ich es gut sein und reduziere wieder auf eine vernünftige Trittfrequenz. Wir haben ja noch nicht mal die Hälfte der Strecke absolviert, für solche Späße ist es noch deutlich zu früh.
Nach der Pause am LIDL klappern die Zähne vor Kälte aufeinander. Wir erreichen den Neckar und drehen in den Rückenwind. Pinguin übt sich im hochfrequenten Hochgeschwindigkeitsdahinrauschen bis wir wieder in den Wind drehen. Schlagartig wird es in seinem Windschatten gemütlich. Wir wechseln uns in der Führung ab. Mir fällt auf, dass er sich nicht so dicht in meinem Windschatten aufhält. Bei der nächsten Pause kommt auch prompt die Erklärung: Er kann das Spritzwasser auf seiner Regenjacke sehen. Es ist tiefschwarz und widerlich. (Es hat einen angenehmen Geschmack nach Gummi.;) )
Wir stoppen nochmal kurz, etwas Kleidung im Rucksack verstauen und etwas essen. Der Blick zurück zeigt, dass das schöne Wetter ein kurzes Intermezzo gewesen sein dürfte. Eine dunkle Front fliegt auf uns zu. Wir sausen weiter. Bei Gundelheim verlassen wir die Strasse, Widu ruft einen Bekannten an. Vielleicht hat er Lust, uns ein Stück zu begleiten? Nein, er hat keine Zeit - aber er schaut mal schnell bei uns vorbei zum Hallo! sagen. Ein wertvoller Routentipp kommt noch und wir machen uns wieder auf die Socken.
Jan (maniceden) teilt uns mit, dass die Jagst erst hinter Offenau in den Neckar mündet. Wenn wir das Neckartal schon in Gundelsheim verlassen würden, müssen wir über einen Höhenzug fahren. Und das liegt ja nicht im Sinn unserer Tour. Tatsächlich kommt uns maniceden mit dem Auto entgegen gefahren. Freut mich. Ich versuche ihn schon seit geraumer Zeit davon zu überzeugen, dass er den hässlichen ihm viel zu großen GT-Rahmen nicht braucht und dass er ihn mir verkauft, da mein Radel doch viel zu klein sei. Er überzeugt sich nochmal davon, dass wir tatsächlich nur mit den Eingängern unterwegs sind und gibt uns nette Tiernamen. Schade ist, dass er noch Besuch erwartet. Deswegen kann er uns nicht begleiten.
Nach Offenau zweigen wir ab ins Jagsttal und nun war der Wind mit uns. Ich stopfe mir wieder mal einen Riegel rein und dann geht es hinter Widu hinterher. Wir fahren ein Stückchen und siehe da, ein roter Golf kommt uns entgegen, Widu winkt und die Bekanntschaft holt uns ein. Ein kurzer Schnack auf einem Parkplatz. Es geht um große und kleine Fahrräder und so unwichtige Sachen. Es ist ungefähr 14 Uhr, wir haben noch etliche Kilometer vor uns. Jan gibt uns den Tipp, an der nächsten T-Kreuzung runter an die Jagst zu fahren. Wir sparen uns Höhenmeter, sagt er. Na klar, sowas spart man doch gerne.
Es gibt Menschen, die wissen so ungefähr, was eine T-Kreuzung ist und es gibt Widus. Der nette Kollege hat wild gestikulierend angedeutet, wir seien an der Kreuzung vorbei gefahren. Ach was? Mir doch wurscht. Die Jagst finden wir auch so. raus aus der Ortschaft, ein wenig die Lage gepeilt und den übernächsten Feldweg ausgesucht und runter ins Tal gerumpelt. Unten dann ein brauchbarer Kiesweg für ein paar hundert Meter und ja was? Wir kommen wieder auf die Landstrasse. Einmal nach links aus dem Tal geschaut und was sehen meine Äugelein? Eine Kreuzung weiter oben. So sieht das aus. Das wäre unsere T-Kreuzung gewesen. Na egal, so war es auch gut gewesen. Wir sind ja nicht mit Eisdielenposingmaschinen unterwegs sondern mit Fahrrädern. Mit dreckigen Fahrrädern. Auf denen dreckige Fahrer hocken. Jawoll, so ist das.
Tja, die T-Kreungssache ist gar nicht so einfach darzustellen. Maniceden kenne ich als leicht verstrahlten sehr netten Kerl, der ein gewisses Maß an Zerstreuung in sich und in seiner Umgebung herum- bzw überträgt. Er beschreibt uns eine T-Kreuzung. Was Maniceden als T-Kreuzung beschreibt, muss nicht unbedingt für normale Menschen wie eine T-Kreuzung aussehen. Also denke ich mir, dass wir an der Stelle vorbei gefahren sind. Das der Versuch an die Jagst zu kommen, auf einem lehmigen Feldweg in einer kleinen Geländeeinheit endet, ist dann eigentlich nur konsequent. Zumal sich beim Blick voraus herausstellt, dass Manicedens T-Kreuzungen tatsächlich eine T-Kreuzung ist. Nun ja, was soll`s!
Wir fahren Jagstaufwärts, der Weg wird dann richtig gut und die Landschaft erinnert mich sehr an die Täler der fränkischen Saale. Das letzte Hochwasser ist noch nicht lange her, überall hängen die Grasbüschel an den Ästen der ufernahen Bäumen. So schön das ist, die Sonne scheint, der Wind schiebt uns vorwärts. Aber so richtig kommen wir auf den Flurwegen nicht voran.
Vor mir präsentiert sich ein typische idyllische Situation. Eine Frau spielt auf der Wiese mit ihrem großen Dertutnix, ein Stückchen weiter traktieren drei Generationen den Wald mit ihrem Waldmoped. Dertutnix macht einen netten Eindruck und springt interessiert auf mich zu. Ich lasse das Rad erst mal rollen und beobachte den Riesnwautz, wie er seitwärts auf mich zu hechelt. Frauchen schreit undefinierbares für Dertutnix unverständliches Zeugs als der Hund an meiner Wade schnuppert. Es kitzelt ein bisschen. Die zweite männliche Generation schreit und Wautz empfindet die Stimme verlockender als die mit 25 km/h dahinrollende Wade. Zum ersten Mal bin ich mir sicher, dass ein Hund auch die Wade treffen würde, in die er hineinzubeißen wünscht.
Ein Hund will Widu fressen, das meistert er bravourös und beist doch nicht zurück. Irgendwo vor Jagsthausen wechseln wir auf die Landstrasse und so schaukeln wir halt ein paar Höhenmeter zusammen. Wir nähern uns langsam der A81, bei der Ortschaft Möckmühl haben wir etwa 180 Kilometer zurück gelegt. Es ist zwischen 15 Uhr und halb Vier. Zeitlich wird es langsam eng für das Erreichen von 300 Kilometern. In Möckmühl wird eingekauft, die Regenfront erwischt uns, während wir unterm Dach des Einkaufszentrums stehen und essen und unsere Getränkevorräte auffüllen.
Kurz vor Möckmöhl springen ein Haufen Kinder dem vorausfahrenden Pinguin blindlings in den Weg. Wir können uns beide gerade so seitlich retten. Das Beste ist, dass das älteste Mädel der Gruppe noch aufgeschaut hat und ihn direkt angeschaut hat. Sie hat uns Radler einfach nicht als Gefahr erkannt!
Nachdem das erledigt bzw. vorbei ist, führt uns Widu aus der Ortschaft und mir kommt was spanisch vor. warum fließt die Jagst plötzlich in unserer Richtung? OK - ein paar hundert Meter falsch gefahren, wieder rein in den Ort und auf der Landstrasse wieder richtig raus. (Hatte mich schon über den Gegenwind geärgert.)Der Beschluss, die Tour auf ca. 250 km abzukürzen wird dann auch gefaßt und nachdem Jagsthausen passiert ist, kommt noch eine Ortschaft und nach etwa 207 km verlassen wir die geplante Route Richtung Norden.

















































